Klima-Allianz Deutschland

3. Alternativer Energiegipfel der klima-allianz: „Energiewende – alles klar?“ 24. Mai 2012, Berlin


 

Beim 3. Alternativen Energiegipfel am 24. Mai in Berlin zeigten Expertinnen und Experten aus Umweltorganisationen und Entwicklungszusammenarbeit, Wirtschaft, Politik, Kirchen und Gewerkschaften den Weg zu einer erfolgreichen Energiewende auf.

Der Termin hätte passender nicht sein können: Einen Tag nach dem Energiegipfel der Kanzlerin und der Ministerpräsidenten im Kanzleramt, wenige Tage nach der Ernennung eines neuen Umweltministers war die Energiewende wieder in aller Munde. Die Kanzlerin erklärt sie zur Chefsache, der neue Umweltminister zu seiner größten politischen Herausforderung und in den Medien steigt die Angst vor untragbaren Kosten.

Das Eingangsstatement klingt nach: Holger Bartels, IG Bauen – Agrar – Umwelt (BAU) fordert nicht nur das Zusammenbringen von sozialen und ökologischen Interessen, sondern: Dass wir Bilder und Geschichten brauchen von einer guten Energiewende. Geschichten, die überzeugen, mitnehmen, Lust machen – auf die Gestaltung dieser unzweifelhaft komplexen Zukunft.

Das Votum der Teilnehmenden beim Eingangspodium war eindeutig. So viel den Tag über die Detailfragen gerungen werden sollte: Ein großer Teil des Saales sah die Energiewende mehr als Lust, denn als Last. Gute Geschichten leben nicht von der Einigkeit, sondern dem Konflikt. Einige waren schnell deutlich: Ulf Gehrckens vom Kupferhersteller Aurubis verteidigte mit Elan die Ausnahmeregelungen der Wirtschaft in Bezug auf die Kosten der Energiewende. Schlaflose Nächte bereite ihm allerdings die Angst vor Blackouts. Die bösen Buben der Energiewende waren damit klar skizziert: Hohe Kosten, Planungsunsicherheiten, Stromschwankungen und die Notwendigkeit im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Und dann ist da noch der unverständige Bürger, der für Erneuerbare Energien und gegen die Stromtrasse durch sein Dorf protestiere.

Wer sind die bösen Buben der Energiewende?
Dirk Jansen, BUND NordrheinWestfalen hielt dagegen: Diesen Bürger habe er noch nicht getroffen. Und das Gejammere der energieintensiven Unternehmen über die hohen Kosten sei unredlich, wo gerade diese doch auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger von den Umlagen befreit seien. Sind die bösen Buben der Energiewende also doch in der Wirtschaft zu suchen?

Konkreter, konstruktiver, aber nicht konfliktärmer wurde es dann in den Workshops zu Strom, Mobilität und Gebäudesanierung: Wie gelingt der Weg zu den Erneuerbaren und welchen ergänzenden Kraftwerkspark braucht es? Wie kann es gelingen nach der Verbannung der Atomkraft auch die hässlichen Stiefschwestern, Stein- und Braunkohle aus dem in Grundrenovierung befindlichen Haus herauszuhalten?
Zugleich: Mit welchem Mobilitätskonzept stellen wir uns die Zukunft vor? Welche Rolle spielen individuelle und öffentliche Verkehrsmittel? Welche Ansätze gibt es für den Luftverkehr? Und kann die Elektromobilität zum rettenden Prinzen werden?

Und dann war da noch das hässliche Entlein, die Gebäudeeffizienz: Was oder wer steht der von allen erwünschten Entwicklung zu energiesparenden Häusern eigentlich im Weg? Welche Finanzierungsinstrumente können die kurzfristig höheren nötigen Investitionsmittel zur Verfügung stellen?

Die Abschlussdebatte mit den politischen Vertreterinnen und Vertretern zeigte deutlich: Während einige gern noch länger am Masterplan basteln wollen (Frank Schwabe MdB, SPD), andere zwar für die Energiewende sind, aber keinesfalls auf die unökologische Dienstwagensubventionierung ihres Mercedes verzichten wollen (Georg Nüsslein MdB, CSU), bieten sich andere + gleich als tatkräftige Energieministerin (Ingrid Nestle MdB, Bündnis 90/Die Grünen) an. Zumindest das letzte ist nach der + Regierungsbildung in Schleswig-Holstein nun fast Realität geworden.

Statt einer Moral ein Fazit:
Trotz aller Debatten und Angstmacherei vor den Kosten: Die Energiewende findet bereits statt und sie wird breit, vor allem von den Bürgerinnen und Bürgern, getragen. Sie wird sich mittelfristig auch ökonomisch auszahlen. Bis dahin müssen jedoch nicht nur + die Privathaushalte, sondern auch die Unternehmen an den Kosten beteiligt werden. Und wir brauchen dringend verbindliche + Ziele und Maßnahmen für Verkehr und Sanierung. Noch ist die Energiewende eine Geschichte mit Open End, aber einem, das den meisten Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmern offensichtlich Lust macht, an ihr mitzutun. Und, sie ist längst kein Märchen einiger Ökospinner mehr, sondern wird, quer zum politischem Hintergrund ernst genommen und angegangen. Das reicht nicht für ein gutes Ende, aber hoffentlich für einen guten Anfang.

(Julia Junge, Leiterin der Geschäftsstelle der klima-allianz deutschland)

Fotos

120524_Pressemitteilung Energiegipfel_final

Der Programmflyer als PDF

4 Kommentare

  1. Hallo!
    Möchte mich hiermit zu obiger Veranstaltung anmelden.

    Vielen Dank und freundliche Grüße!

    Dieter Oltmanns

    • Nein, kann es nicht. Der geffcrchtete Blackout ist ein reines Mediengespenst.Bereits heute ist Deutschland in der Lage, seeinn Energiebedarf komplett ohne Atomkraftwerke zu deckne, indem es auf die Mf6glichkeiten der bereits bestehenden erneuerbaren Energien zurfcck greift und natfcrlich auch auf fossile Brennstoffe. Dauerhaft steht natfcrlich auch ein Abbau der fossilen Energieerzeugung auf dem Plan. Was derzeit jedoch noch ein Problem ist, ist der Ausbau des Stromnetzes allgemein in Deutschland (Transformatoren, Hochspannungsleitungen, ). Dies ist teilweise so schwach, dass die benf6tigen Energien nicht von A nach B transportiert werden kf6nnen. Aus diesem Grund muss das Stromnetz ausgebaut werden. Allerdings sind die daffcr benf6tigen Investitionen nicht vergleichbar mit den in den Medien heraufbeschworenen Zahlen, sondern viel geringer und auch in wenigen Jahren (unter 5) zu schaffen.Aber noch hat Europa einen europe4ischen Strommarkt. Das heidft derzeit kf6nnte man fehlende Energien, egal warum, wieso, weshalb audferhalb einkaufen. Da kann dann natfcrlich aber auch mal wieder ein Watt Atomstrom dabei sein. Ein richtiger Aussteig ist eben nur durch die Zusammenarbeit in Europa mf6glich aber irgendwer muss ja schliedflich den Anfang machen. Und als bevf6lkerungsreichstes Land der EU haben wir ja immerhin auch am meisten zu verlieren, wenn son Atomkraftwerk mal hoch geht

  2. Pingback: klima-allianz deutschland lädt zum alternativen Energiegipfel | ameisen zählen

  3. Nach der Atomkatastrophe in Japan sind die Gemfcter aufgewfchlt. Man sphirct sogar von einer Atomhysterie. Viele fragen sich, weshalb wir nicht auf Atomkraftwerken verzichten kf6nnen, die Gegner und die Beffcrworter haben gezielte Argumente.Mein Standpunkt ist folgender:; Strom zu besitzen ist ein Geschenk. Unsere Wohlstandgesellschaft, die im dcberfluss lebt, kann sich sogar noch die Arroganz leisten, mit dem Leid von Tieren und Menschen darfcber zu spekulieren, welche richtige Energiepolitik in Zukunft zu verfolgen sei. Die Botschaft von Mutter Erde ist eindeutig: wir mfcssen erwachen und ein neues Bewusstsein schaffen. Die Wende bedeutet neue Energieformen zu entwickeln und lernen zu verzichten. Diejenigen, die diese Botschaft nicht verstehen oder erkennen, sollen bitte wenigsten die Ruhe bewahren. Wie viele Idioten kann die Erde noch tragen?Anstatt zwei Glfchbirnen, brennt nur eine.Anstatt zwei Stunden Fernseher, nur die He4lfte davon geniessen.Und so weiter. Verzichten ist der Anfang. Dieses Bewusstsein ist von Mutter Erde gefragt. Nur das ze4hlt jetzt.Jeder kann etwas tun, die dcberheblichkeit ist fehl am Platz.Ich glaube sowieso, dass es in 50 Jahren es keine Politik mehr geben wird. Politik schafft Polarite4t.Die Mutter Erde wird uns so drastisch vere4ndern, dass wir uns ein gegenseitiges Beke4mpfen nicht mehr leisten kf6nnen. Diesens Luxus kf6nnen wir uns nicht mehr leisten.Diese Botschaft soll auch all die Tiere ehren, die in der Katastrophe gestorben sind oder noch sterben werden.

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