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Scharfe Kritik am Klimagipfel in Bonn: Repräsentanten indigener Völker kommen nicht zu Wort – „Erste Opfer des Klimawandels“ ausgegrenzt

Der bisherige Verlauf des Klimagipfels in Bonn ist bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf scharfe Kritik gestoßen.

„Die Repräsentanten indigener Völker, die aus allen Teilen der Welt angereist sind, kommen nicht zu Wort. Sie warten seit Tagen dringend darauf, als gleichwertige Verhandlungspartner in die Diskussion über Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung einbezogen zu werden. Doch sie werden von den offiziellen Vertretern der Industrienationen nicht gehört“, sagte die GfbV-Brasilien-Expertin Eliane Fernandes Ferreira am Freitag in Bonn. „Den vielen Indigenen wurde zudem ein viel zu kleiner Pavillon für den Austausch untereinander zugewiesen: Dort haben nur 40 Personen Platz. Die Ureinwohner so vor den Kopf zu stoßen ist beschämend. Sie sind die ersten Opfer des Klimawandels. Wir müssen sie ernst nehmen, denn durch unsere unverantwortliche Klimapolitik ist ihre und unsere Existenz bereits unmittelbar bedroht.“

Eliane Fernandes Ferreira ist mit dem Ashaninka-Sprecher Benki Piyãko aus dem brasilianischen Bundesstaat Acre seit Beginn der Klimakonferenz in Bonn. Sie halten sich dort noch bis zum 12. November auf. Die GfbV kündigte an, am kommenden Montag offiziell Beschwerde gegen die Ausgrenzung der Indigenen einzulegen.

„Mit ihren zögerlichen Maßnahmen gegen die Erderwärmung gefährden die Industrienationen nicht nur die ökologische, sondern auch die kulturelle Vielfalt der Erde“, erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius. „Den Klimawandel bekommen viele der weltweit etwa 5.000 indigenen Völker mit ihren rund 370 Millionen Angehörigen schon jetzt zu spüren Es muss selbstverständlich sein, ihre Bedürfnisse und ihr Wissen anzuerkennen.“ Indigene Gemeinschaften seien sehr viel stärker als die Industrienationen auf intakte Ökosysteme angewiesen, um ihr traditionelles Leben weiterführen zu können.

Die Ashaninka-Gemeinschaft von Benki Piyãko im brasilianischen Bundesstaat Acre hat schon vor Jahren die Initiative für den Regenwald ergriffen und über 2.000 junge Bäume auf ihrem Territorium nachgepflanzt. Gleichzeitig haben die Ashaninka beständig Überzeugungsarbeit bei nicht-indigenen Siedlern auf ihrem Gebiet geleistet. Die Siedler erkennen inzwischen an, dass nur ein intakter Regenwald langfristig ihre Existenz sichert und auch unsere beeinflusst. Benki Piyãko und seine Gemeinschaft haben das Ausbildungszentrum „Yorenka Ãtame“ ins Leben gerufen. In dem Projekt wird indigenen und nicht-indigenen Jugendlichen der schonende und respektvolle Umgang mit der Natur auch mit modernen Mitteln nahegebracht. Sie werden in Waldwirtschaft, Schildkröten-, Bienen- und Fischzucht unterrichtet und lernen ebenso, Computer und Internet zu nutzen. 

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Yvonne Bangert

Gesellschaft für bedrohte Völker
Referat Indigene Völker / Indigenous Peoples Dpt.
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