Klimapolitik

US-Steuerreform finanziert mit Öl aus Alaskas wichtigstem Naturpark – Präsident Trump lässt Lebensgrundlage indigener Völker zerstören

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, zur Finanzierung seiner umstrittenen Steuerreform die Zerstörung der Lebensgrundlage indigener Völker in Alaska bewusst in Kauf zu nehmen.

„Alaskas Gwich’in sollen die Zeche zahlen für Trumps abenteuerliche Steuerpolitik. Deutlicher kann der US-Präsident den Native Americans seine Verachtung und Geringschätzung nicht zeigen“, kritisierte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen. „Amerikas Reiche und Groß-Unternehmen profitieren von der Steuerreform, während die verarmten indigenen Gwich’in dies auch noch mit dem Verlust ihrer Identität bezahlen sollen.“

Zur Gegenfinanzierung der kostspieligen Steuerreform werden rund eine Milliarde US-Dollar benötigt. Deshalb sieht das am vergangenen Samstag vom US-Senat gebilligte Gesetzespaket vor, 6.070 Quadratkilometer des 174.000 Quadratkilometer großen Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) meistbietend an Öl- und Erdgaskonzerne zu versteigern. Das Projekt ist in Alaska sehr umstritten. Umweltorganisationen werfen der US-Regierung vor, Amerikas Serengeti zu verramschen. Denn das ANWR gilt als eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete Nordamerikas.

Das ANWR liegt jedoch auch am Schnittpunkt der Wanderrouten von mehr als 200.000 Karibus der indigenen Gwich’in. Ihre Herden ziehen jedes Jahr zum Kalben in die Küstenebene des ANWR, die nun für die Suche nach Erdöl und Erdgas freigegeben werden soll. „Der Verlust ihrer traditionellen Kinderstube hätte katastrophale Folgen sowohl für die Karibus als auch für die Gwich’in“, berichtete Delius, „denn diese Native Americans sind spirituell eng verbunden mit ihren Tieren und verehren den Ort, wo die Karibus jedes Jahr rund 40.000 Kälber zur Welt bringen, als heilige Stätte. So bezeichnen sie die Küstenebene des ANWR als den „Heiligen Ort, wo das Leben beginnt“.

Seit mehr als 30 Jahren kämpfen die rund 9.000 Gwich’in gegen Versuche von US-Regierungen, Öl- und Erdgassuche im ANWR zu ermöglichen. Das Leben dieser Native Americans ist seit tausenden Jahren eng auf die Karibus abgestimmt. Sie ernähren sich von ihrem Fleisch, verarbeiten ihre Felle zu Kleidung und ihre Knochen zu Werkzeugen. Jeden Eingriff in den Lebensraum der Tiere sehen die Gwich’in als Angriff auf sich selbst. 

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Yvonne Bangert

Gesellschaft für bedrohte Völker
Referat Indigene Völker / Indigenous Peoples Dpt.
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