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28.09.2017

Frimmersdorf geht in Braunkohle-Reserve: Stromkunden zahlen für längst totgesagtes Kraftwerk

Das Kohlekraftwerk Frimmersdorf geht am Samstag in die Braunkohle-Reserve. Stromverbraucher zahlen damit noch bis 2021 für ein Kraftwerk, das nach unserer Analyse ohnehin im kommenden Jahr abgeschaltet werden sollte.

Mit Frimmersdorf geht am Samstag ein weiteres Kraftwerk in die Braunkohle-Reserve, obwohl es ohnehin bis 2018 abgeschaltet werden sollte. Der Vorteil für RWE liegt auf der Hand: Nun wird Frimmersdorf als Kraftwerk in der Warteschleife noch bis 2021 subventioniert. Die Zeche zahlen alle Kunden über die Netzentgelte in ihrer Stromrechnung mit. „Die Stromkunden zahlen dem Energiekonzern RWE damit einen vorgezogenen Ruhestand für das Kraftwerk”, erklärt Stefanie Langkamp, Kohle-Expertin der Klima-Allianz Deutschland.

„Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mehrfach auf internationalem Parkett dazu verpflichtet, umweltschädliche Subventionen bis 2020 vollkommen abzubauen. Mit der Braunkohle-Reserve wird klimaschädlicher Kohlestrom noch bis 2023 auf Rechnung der Stromkunden subventioniert”, kritisiert Langkamp. „Bei den Verhandlungen um einen Kohleausstieg muss die neue Bundesregierung darauf achten, dass längst abgeschriebene Uraltmeiler nicht weiterhin unnötig vergoldet werden.”

Analyse der Klima-Allianz Deutschland

Die Klima-Allianz Deutschland hat bereits 2015 in einer umfassenden Recherche belegt, dass RWE schon seit Langem plante, die letzten beiden Blöcke des Braunkohlekraftwerks Frimmersdorf bis spätestens 2018 stillzulegen. Durch eine Abschaltung von elf Kraftwerksblöcken in den Jahren 2011 und 2012 waren die Fixkosten am Kraftwerksstandort sprunghaft angestiegen. Die Wirtschaftlichkeit für die Blöcke P und Q verschlechterte sich dadurch dramatisch, Reparaturen und Investitionen für die inzwischen 47 und 51 Jahre alten Blöcke lohnten sich nicht mehr (S. 3-4). Eine wirtschaftliche Erholung des Braunkohlekraftwerks war bei immer weiter sinkenden Großhandelsstrompreisen nicht in Sicht. Seit 2012 diskutierten RWE-Funktionäre und regionale Medien die fehlende Wirtschaftlichkeit und eine Stilllegung der restlichen Anlage (S. 5-6). Die Gemeinde Grevenbroich hatte sich deshalb sogar schon mit Runden Tischen und einem Ideenwettbewerb auf eine Nachnutzung des Standorts vorbereitet (S. 7).

Hintergrund zur Braunkohle-Reserve

Über die 2015 von der Bundesregierung beschlossene Braunkohle-Reserve werden schrittweise acht Braunkohlekraftwerke vom Netz genommen. Nach den Blöcken Frimmersdorf P und Q fehlen noch vier Blöcke. Ursprünglich sollten Braunkohlekraftwerke für den Klimaschutz gedrosselt werden, doch die Kohle-Lobby setzte ihre Interessen durch. Nun bleiben acht Kraftwerke jeweils vier Jahre in der Reserve und werden in dieser Zeit von den Stromkunden finanziert. Insgesamt wird die Reserve 1,6 Milliarden Euro kosten. Umweltverbände, Entwicklungsverbände, Kirchen und Bürgerinitativen fordern stattdessen einen Kohleausstieg.

Weitere Informationen

Recherche der Klima-Allianz Deutschland: Täuschung bei der Abschaltung von Braunkohlekraftwerken
(Bei einigen Quellen im Dokument hat sich die URL verändert. Sie sind aber immer noch unter den genannten Titeln im Netz auffindbar.)

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