50 Jahre Stockholm Deklaration: Die Grenzen des Planeten anerkennen und beherzt die Krisen unserer Zeit angehen

Anlässlich des 50. Jahrestages des UN-Umweltprogramms UNEP und der internationalen UN-Umweltkonferenz „Stockholm+50“, die die herrschende Klima- und Biodiversitätskrise sowie bisher vereinbarte Nachhaltigkeitsziele thematisiert, fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), endlich die Klima-, Arten- und Ressourcenkrisen beherzt anzugehen.

„Stockholm war vor 50 Jahren ein wichtiges Signal: Umwelt und Entwicklungszusammenarbeit wurden erstmalig zusammen gedacht. Doch die Fortschritte der letzten 50 Jahre dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch ein langer Weg ist bis zur globalen Gerechtigkeit“, erklärt Antje von Broock, BUND-Geschäftsführerin.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), die Agenda 21, die Klimarahmenkonvention UNFCCC oder auch das Übereinkommen über die biologische Vielfalt gäbe es wohl nicht, wenn es die Stockholm Konferenz in 1972 nicht gegeben hätte. Von Broock weiter: „Damals erkannte Probleme sind heute ausgewachsene Krisen. Es gibt planetare Grenzen für das Wachstum, die wir stetig überschreiten. So kann es in den nächsten 50 Jahre nicht weitergehen, so kann es die nächsten drei Jahre nicht weitergehen. Bereits 2026 kann das 1,5 Grad Ziel überschritten werden. In Zeiten von multiplen Krisen mit stärker werdenden Auswirkungen für Mensch und Natur ist "Stockholm+50" unverzichtbar, um gemeinsame Strategien und Kooperationen zu stärken.“

Auf die gegenwärtigen Herausforderungen im Energiebereich mit rückwärtsgewandten Lösungen wie Atomkraft und neuer Gasinfrastruktur zu reagieren, hält der BUND für grundsätzlich falsch. „Investitionen in fossile Infrastrukturen, wie es die EU und Deutschland gerade planen, führen uns tiefer in die Krise. Wenn wir das tun, anstatt die Erneuerbaren und die Energieeffizienz ausbauen, dann verraten wir den Geist von Stockholm ganz und gar“, so die BUND-Vertreterin. „Global denken – lokal handeln war damals das Motto. Mehr denn je muss es die Richtschnur unseres Handels sein. Sei es unser Konsum, die Herstellung von Produkten oder die Stromerzeugung.“

Für die notwendige sozialgerechte, ökologische Transformation braucht es aus Sicht des BUND neben einem klaren Ende fossiler Brennstoffe ein Wirtschaftsmodell, das vom Wachstum unabhängig ist. Von Broock: „Wir können nicht immer mehr produzieren. Um unsere Lebensgrundlage auf diesem Planeten nicht völlig zu zerstören, müssen wir aufhören, die planetaren Grenzen zu ignorieren. Weniger Plastik muss hergestellt und damit weniger Müll produziert werden.“ 50 Jahre nach der Stockholm Konferenz erklärten Anfang 2022 europäische Wissenschaftler*innen in einer Studie, dass die planetaren Grenzen für Chemikalien und Plastik in der Umwelt bereits überschritten seien. Immer noch gelangen Unmengen an nicht abbaubarem Mikroplastik und Chemikalien in unsere Böden und Meere, wo sie für Jahrzehnte bleiben werden.

„Wir überladen und vergiften unseren Planeten und treiben so Artensterben und Klimakrise weiter voran. Giftige Chemikalien gefährden Böden, Tiere, Pflanzen und unser Grundwasser“, so von Broock. „Deshalb brauchen wir eine Chemiewende: den nachhaltigen Umbau der Chemie- und Plastikindustrie. Die Produktion von Chemikalien und Plastik und der damit verbundene Ressourcenverbrauch muss erheblich reduziert werden. Und die Länder, die für den schlechten Zustand des Planeten durch ihr Produktions- und Konsumverhalten, durch ihre Lebensweise, verantwortlich sind, stehen in der Pflicht, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um eine Kehrtwende herbeizuführen. „Stockholm+50“ kann hier der notwendige Impuls sein, mehr zu tun als bisher.“

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Antje von Broock

Bundesgeschäftsführerin Politik und Kommunikation

antje.von.broock@bund.net