Bundesregierung muss mehr gegen steigenden Hunger tun

Kurz vor dem Welternährungstag am 16. Oktober ist die weltweite Hungerkrise Thema des Welternährungsausschusses (CFS) in Rom. Der Ausschuss müsse eine zentrale Rolle auf der Suche nach Lösungen gegen den Hunger spielen, fordern Brot für die Welt, FIAN Deutschland und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Der Welternährungsausschuss ist ein zentraler Baustein bei der Bekämpfung der Hungerkrise in weiten Teilen der Welt. Auf der Suche nach Lösungen bindet der CFS unter anderem zivilgesellschaftliche Akteure und die Wissenschaft ein. Seit sechs Jahren steigt der chronische Hunger an. 2021 hungerten etwa 828 Millionen Menschen. Wegen der Folgen des Ukrainekriegs und des Klimawandels wird die Zahl weiter steigen. Die Zahl der Menschen, deren Ernährung nicht gesichert ist, hat sich seit 2014 um mehr als 750 Millionen auf 2,3 Milliarden Menschen erhöht. Ein Drittel der Weltbevölkerung hat somit nicht genügend zu essen.

„Die Ernährungskrise wird auf allen Kontinenten immer akuter. Die bisher getroffenen Maßnahmen reichen nicht aus und gehen vielfach an den Betroffenen vorbei“, sagt Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt. Eine vom CFS veröffentlichte internationale Befragung der betroffenen Gruppen hatte gezeigt, wie erfolgreich sich diese zwar selbst helfen, aber wie wenig sie in den von der internationalen Staatengemeinschaft beschlossenen Maßnahmen beachtet werden und davon profitieren. „Dies muss sich unbedingt ändern. Diese Menschen müssen im CFS einbezogen werden und die Möglichkeit haben, sich an den Verhandlungen bis zur Abstimmung durch die Staaten aktiv zu beteiligen“, so Pruin.
 
„Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet, menschenrechtsbasierte Lösungen für die globalen Ernährungskrisen zu finden und an der Ernährungssouveränität von Menschen und Staaten auszurichten“, erklärt Friederike Diaby-Pentzlin, Vorstandsvorsitzende der Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland. „Das funktioniert am besten im CFS, denn der Ausschuss baut auf dem Recht auf Nahrung auf und gibt denen eine Stimme, die in der Krise bisher nicht gehört wurden.“

Elisabeth Fresen, Bundesvorsitzende der AbL: „Die Agrar- und Ernährungssysteme müssen angesichts der vielen Krisen nachhaltig transformiert werden. Dies funktioniert nur, wenn die Stimmen der Bäuerinnen und Bauern gehört werden, die sich für Ernährungssouveränität einsetzen. Das ist bisher vor allem im CFS möglich.“

Brot für die Welt, FIAN und AbL begrüßen den verstärkten Einsatz des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sowie seines Ministers Cem Özdemir für den CFS ausdrücklich. Die Suche nach multilateralen und menschrechtsbasierten Lösungen muss aufgrund der aktuellen Weltlage aber vehementer angegangen werden. Eine offene Arbeitsgruppe innerhalb des CFS ist der konsequente Schritt, um den Ausschuss handlungsfähiger und lösungsorientierter zu machen.

Vor allem die Genderfrage wird in der Debatte zur Ernährungskrise bisher zu wenig berücksichtigt. Frauen und Mädchen sind besonders von Hunger betroffen, die Debatte wird jedoch vor allem von Männern geführt. Um dies grundsätzlich zu ändern, verhandelt das CFS derzeit über freiwillige Leitlinien, die auch LGBTQ+-Gruppen berücksichtigen. Brot für die Welt, FIAN und AbL fordern deshalb gemeinsam, dass sich die Bundesregierung in dieser Frage beweisen muss, wenn sie es mit feministischer Außen-, Agrar- und Entwicklungspolitik ernst meint.

 

Hintergrund:
In seiner globalen Befragung „Voices from the ground 2“ hat der Zivilgesellschafts- und Indigenenmechanismus des Welternährungsausschusses (CSIPM) einen Maßnahmenkatalog mit Forderungen an die UN und die einzelnen Regierungen vorgestellt.

Eine Kurzzusammenfassung des Reports finden Sie hier, die Langversion können Sie hier herunterladen.

Zurück

Johannes Grün

Referatsleiter Wirtschaft und Nachhaltigkeit

Brot für die Welt

johannes.gruen@brot-fuer-die-welt.de

Telefon: 030/5211 1474