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COP24: Umsetzung wichtiger als alle Appelle

Mit dem Beschluss des Regelbuchs für das Pariser Klimaabkommen wurde am Samstag die Weltklimakonferenz COP24 in Katowice abgeschlossen. Mehrere Mitglieder der Klima-Allianz Deutschland sehen dies als positives Zeichen, halten die Beschlüsse aber für unzureichend. Lesen Sie hier die Bewertungen unserer Mitglieder zur COP24.

Germanwatch fordert die Bundesregierung jetzt zum Handeln auf. „Dieses Regelwerk ist eine solide technische Basis. Aber zur Abwendung der Klimakrise kommt es nun darauf an, dass alle Staaten deutlich mehr politischen Willen zur zügigen Umsetzung des Pariser Abkommens zeigen", sagt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. Ein Erfolg ist aus Sicht von Germanwatch, dass die Zukunft des erfolgreichen Anpassungsfonds, der bislang Teil des auslaufenden Kyoto-Protokolls war, nun auch unter dem Paris-Abkommen gesichert ist. „Die Regeln und Institutionen zur Klimafinanzierung wurden gestärkt – aber jetzt ist auch mehr Geld notwendig. Mit Ankündigungen zur Verdopplung der Beiträge für den Grünen Klimafonds haben Deutschland und Norwegen vorgelegt, auch die anderen reichen Länder müssen kommendes Jahr ihre Beiträge verdoppeln“, fordert Christoph Bals.

Eine ausführliche Bewertung von Germanwatch finden Sie hier

Der BUND kritisiert die Bundesregierung: „Sich nur auf internationalen Konferenzen für einen ambitionierten Klimaschutz einzusetzen genügt nicht. Um glaubwürdig zu sein, muss die Bundesregierung zuerst ihre eigenen Klimaschutz-Ziele erreichen“, sagt der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. „Deutschland erfüllt als hochindustrialisierte Nation alle Voraussetzungen dafür, bei gleichzeitigem wirtschaftlichen Erfolg vor 2030 aus Kohle und Atom auszusteigen. Mit dem Ausstieg aus Kohle und Atom vor 2030 kann die Bundesregierung eine Messlatte legen, die wichtiger ist, als alle Appelle.“

Der WWF hält die Fortschritte auf der COP24 für unzureichend, um Mensch und Natur vor dem Klimakollaps zu bewahren. „Am Ende dieses Jahres der Wetterextreme sind die Regierungen der Welt noch immer weit entfernt davon, die nötigen Klimaschutzmaßnahmen anzupacken. Eines ist ganz deutlich geworden: Die Regierungen der Welt brauchen viel mehr Druck von ihren Bürgerinnen und Bürgern, endlich mit dem Klimaschutz Ernst zu machen“, sagt Michael Schäfer, Leiter Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland in Katowice. 

CARE hält die Ergebnisse für eine Abkehr vom 1,5 Grad-Ziel. CARE-Klimaexperte Sven Harmeling dazu: „Getrieben von kurzsichtigen Interessen, drängten auf der COP24 einige mächtige Länder darauf, die ehrgeizige Grenze der Erderwärmung von 1,5 °C quasi abzuschaffen und die alarmierenden Ergebnisse des IPCC-Sonderberichtes über schädliche Klimaauswirkungen zu ignorieren. Das ist besonders bedauerlich, da die am stärksten von der Klimakrise betroffenen Länder, die Zivilgesellschaft und Menschen an vielen Orten weltweit einen engagierten Kampf für mehr Klimagerechtigkeit geführt haben.“

Dem Hilfswerk MISEREOR fehlt vor allem die zuverlässige Unterstützung für die ärmsten Länder bei der Bewältigung der Schäden und Verluste durch den Klimawandel: „Wir sind enttäuscht angesichts der mutlosen Zusagen und des wenig ermutigenden Signals zur Umsetzung des Klimaschutzvertrages für die Verletzlichsten und am meisten vom Klimawandel Betroffenen. Die Weltgemeinschaft hat in Polen versäumt, adäquat auf die spürbaren Folgen, Verluste und massiven Herausforderungen des Klimawandels zu reagieren“, erklärt MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel.

Brot für die Welt sieht die Abschlusserklärung als Teilsieg der kleinen Inselstaaten. Sabine Minninger, Klimareferentin von Brot für die Welt, erklärt dazu: „Die kleinen Inselstaaten haben zum Abschluss der Katowicer Klimakonferenz zumindest einen Teilsieg errungen. Sie haben deutlich gemacht, dass die Klimakrise kein Zukunftsszenario ist, sondern jetzt schon für Menschen in vielen Ländern lebensbedrohlich ist.“

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) weist dem für nächstes Jahr geplanten Klimaschutzgesetz große Bedeutung für das deutsche Klimaschutzziel zu. „Die wichtigste Aufgabe im Rahmen des Klimaschutzgesetzes ist die Anpassung der nationalen Ziele an die Beschlüsse von Paris“, so Simone Peter, Präsidentin des BEE. Es müsse zudem regeln, wie Deutschland bis 2050 komplett aus den fossilen Energieträgern aussteigt und die Energieversorgung in allen Sektoren auf der Basis Erneuerbarer Energien organisiert wird.

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