COP26 endet – Kleine Schritte nach vorne, zu wenig für Betroffene im Globalen Süden

Nach intensiven zwei Wochen ist die 26. UN-Klimakonferenz am vergangenen Samstag in Glasgow zu Ende gegangen. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Einen kleinen Fortschritt gab es beim Thema Kohle: Auch wenn im Abschlussdokument nur von einer Verminderung statt von einem Ende der Kohleverstromung die Rede ist, zeigt sich, dass der Druck auf fossile Energieträger steigt. Ebenfalls neu ist die Aufforderung, bereits im kommenden Jahr die nationalen Klimapläne nachzubessern. Nach jetzigem Stand steuert die Welt auf eine Erwärmung von 2,4 Grad zu, sollten die Staaten nur ihre bisherigen Pläne umsetzen.

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„Es gab politische Durchbrüche, die jedoch für die von der Klimakrise am meisten betroffenen Menschen im globalen Süden nicht ausreichend sind, um Zukunftsperspektiven zu erhalten. Die Vereinbarungen genügen nicht, um das Ziel zur Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius noch einzuhalten, und geben keine Aussicht auf ausreichende Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen für ärmere Länder“,  resümiert Pirmin Spiegel, Geschäftsführer von MISEREOR.

Viviane Raddatz, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF-Deutschland, sieht Fortschritte in der globalen Klimapolitik, allerdings auch noch viele ungelöste Probleme: „Nach dem gescheiterten Weltklimagipfel 2019 in Madrid macht die Staatengemeinschaft in Glasgow wichtige Schritte nach vorn. Nach zwei weiteren Jahren zunehmender Klimakrise mit Dürren, Fluten und Wetterextremen sollte dies für alle Staaten folgerichtig sein, für 1,5°C reicht es aber dennoch nicht. Entscheidend ist jetzt deshalb, dass die Länder bei ihren nationalen Klimazielen nachbessern und zuhause die Umsetzung vorantreiben. Der Blick richtet sich auf die Ampel-Koalition“

Eine ganz ähnliche Meinung hat Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Vor allem die Diskrepanz zwischen ambitionierten Zielen und konkreter Umsetzung müsse angegangen werden, ansonsten sei das 1,5 Grad-Limit nicht einzuhalten: „Im Abschlussdokument wurde erstmals festgehalten, dass dafür die globalen Emissionen bis 2030 um 45 Prozent gegenüber 2010 sinken müssen. Es geht nicht nur um das Bekenntnis zu diesem Ziel, sondern darum, schnell entsprechend zu handeln. Es geht um die Umsetzung in Deutschland und in der EU sowie eine entsprechende Klimaaußenpolitik aus einem Guss. Das ist der Maßstab für die neue Bundesregierung.“

Jan Kowalzig, Klimaexperte von Oxfam, mahnt die nicht zufriedenstellenden Ergebnisse im Bereich internationaler Klimafinanzierung an: „Die kleinen Schritte, die die COP26 nach vorne gemacht hat, dürfen uns nicht zu der Illusion verleiten, mit einem echten Erfolg nach Hause zu fahren. Es ist schon bitter, dass wieder einmal die von der Klimakrise besonders betroffenen, ärmeren Länder des Globalen Südens an den Rand gedrängt wurden. Ihr Ruf nach Unterstützung bei der Bewältigung von Schäden und Zerstörungen infolge des Klimawandels – wenn die Grenzen der Anpassung erreicht sind – blieb wieder nahezu ungehört.“

Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert, dass zu wenige klare Zugeständnisse für indigene Bevölkerungsgruppen, mit Blick auf Klimaschäden gemacht wurden: „Der Klimawandel kann ohne die direkte Unterstützung der indigenen Organisationen und Projekte nicht erfolgreich bekämpft werden. Indigene Völker sind weiterhin die wichtigsten Umweltschützer und müssen endlich von allen Regierungen für ihre Rolle anerkannt und respektiert werden“, meint Dr. Eliane Fernandes Ferreira, Brasilienkoordinatorin der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Auch CARE kritisiert, dass die Industrieländer zu wenig Verantwortung für Klimaprobleme in Schwellen- und Entwicklungsländern übernähmen. „In meiner Heimat Malawi folgt Dürre auf Dürre und klimatische Extreme wie Wirbelstürme werden stärker. Die Menschen können sich kaum noch erholen“, so Chikondi Chabvuta, die CARE-Klimaexpertin für das südliche Afrika ist.

Das Fazit von Olaf Bandt, dem Vorsitzenden des BUND, fällt sehr kritisch aus. Die Ergebnisse seien insgesamt sehr enttäuschend, die Pläne und Maßnahmen, um die Klimakrise aufzuhalten, nicht detailliert und konkret genug: „‚Net Zero‘ und „Kooperativen Mechanismen“ waren die Zauberworte der COP, mit denen sich Regierungen und Unternehmen allzu gerne geschmückt haben. Oft stecken jedoch nur leere Versprechen dahinter, in der fernen Zukunft für mehr Klimaschutz zu sorgen, die entstehenden Emissionen über den Zukauf von Zertifikaten auszugleichen oder auf ein Technikwunder zu hoffen. Allein Hoffnung ist zu wenig.“

Ebenso klare Worte findet die Klimadelegation. Die Abschlusserklärung der COP26 sei „enttäuschend“. Es hätte klarere Bekenntnisse vor allem der Industrienationen zum 1,5 Grad Ziel geben müssen: „Die Verhandlungen zu Kohlenstoffmärkten waren nichts als Schadensbegrenzung. Wir müssen uns bewusst sein, dass mit Kohlenstoffmärkten das 1,5-Grad-Ziel nicht erreichbar ist. Um dieses Ziel zu erreichen müssen Länder des Globalen Nordens sowohl ihre eigenen Emissionen reduzieren, als auch Finanzierung für Emissionsminderungen im globalen Süden bereitstellen. Es liegt nun an der Zivilgesellschaft des Globalen Nordens sich nicht mit dem marktbasierten „Nettonull"-Versprechen zufrieden zu geben, sondern auch höhere Emissionsminderungen zu Hause einzufordern”, kritisiert Vincent Stein, Vereinsmitglied der Klimadelegation.

BEE-Präsidentin Dr. Simone Peter nimmt die kommende Bundesregierung in die Pflicht: „Die Ampel-Verhandler sind gefordert, das Erreichen der Klimaneutralität ambitioniert mit Maßnahmen zu untermauern, um so den Wirtschaftsstandort Deutschland in die Zukunft zu führen und auch international wieder als Vorreiter zu wirken. Dafür ist ein konsequenter Plan mit Etappenzielen für den Erneuerbaren-Ausbau notwendig, um fossile und atomare Energien systematisch und in allen Sektoren zu ersetzen und für Versorgungssicherheit, bezahlbare Preise und CO2-Einsparung zu sorgen“, so Peter.

Die Klima-Allianz Deutschland und zwölf weitere Nichtregierungsorganisationen haben zudem am Sonntag einen Appell an Olaf Scholz und die mögliche neue Bundesregierung veröffentlicht. Darin fordern sie die Ampel-Parteien auf, einen Koalitionsvertrag zu beschließen, der unter anderem bessere nationale Klimaziele, einen Kohleausstieg bis 2030 und einen Ausstieg aus klimaschädlichen Subventionen enthält.

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Christiane Hildebrandt

Referentin
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