Agrarwende

Das Schlimmste verhindern – das Beste daraus machen

Es regnet viel zu viel und der Pilz "La Roya", der Kaffeepflanzen befällt, gedeiht unter diesen Bedingungen prächtig. Wie Fairtrade-Produzent*innen dem Klimawandel entgegentreten lesen Sie in dem Artikel aus der Hintergrundbroschüre von TransFair, welche im Rahmen der Fairen Woche 2018 herausgegeben hat.

"La Roya" - Kaffeerost. Dieses Wort verursacht Existenzängste bei zehntausenden Kaffeebäuer*innen auf der ganzen Welt. Der Pilz befällt die Blätter der Kaffeepflanze, die als Folge dessen abfallen. Die Kaffeekirschen können nicht reifen und die Ernte fällt aus. Mehr als die Hälfte der Kaffeeregionen in Zentralamerika sind laut Schätzungen vom Kaffeerost betroffen. Kaffeerost ist keine direkte Folgeerscheinung des Klimawandels, jedoch fördern wärmere und feuchtere Wetterbedingungen die Ausbreitung des gefürchteten Pilzes. „Es regnet hier zu viel“, sagt Magda Reza, Mitglied der Kaffee Kooperative Sonomoro. „Das Wetter ändert sich. Die Kaffee-Ernten sind geringer als sie gewöhnlich waren.“

Gemeinsam die Herausforderung angehen.
Zusammen mit weiteren Fairtrade-Kleinbäuer*innen kämpft Magda gegen die Folgen des Klimawandels an. „Der beste Weg für uns, sich an das sich ändernde Wetter anzupassen, ist, sich mehrere Einkommensquellen zu schaffen“, berichtet sie. „Ich baue auch Bananen, Kassava und Kakao an. So verteile ich das Risiko auf mehrere Produkte und habe vorgesorgt, falls die Kaffee-Ernte schlecht
wird.“

Auch in Guatemala investieren Kaffeebäuer*innen der biozertifizierten Kaffee-Kooperative Chajul in Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel. Darüber hinaus setzen auch sie mit dem Anbau von Kardamom und dem Verkauf von Honig aus eigener Herstellung auf Diversifizierung. „Wir probieren unterschiedliche Samensorten und Pflanzen aus, die gegen den Kaffeerost resistent sind“, erzählt Miguel Soy, Geschäftsführer der Vereinigung. „Wir haben mehrere Modellpflanzungen angelegt,  um zu sehen, welche am besten funktionieren. Außerdem haben wir einen Teil unserer Einnahmen dazu benutzt, solarbetriebene Trocknungsmaschinen anzuschaffen, die besser für das Klima und auch besser für die Kaffeebohnen sind.“

Biodiversität für gesunde Pflanzen
Eine Tagesfahrt weiter nordwestlich von Guatemala Stadt befindet sich die Kaffee-Kooperative Maya Ixil. Das Land der Kooperative umfasst 150 Hektar und liegt inmitten von üppigem tropischen Regenwald, Wasserfällen und Flüssen. Auch hier zeigt der Klimawandel seine Folgen. „Wir sind bemüht, so viel Biodiversität wie möglich zu erhalten“, erläutert der technische Direktor Diego Garcia  Mendoza. „Die Kaffeepflanzen und Setzlinge sind resis-tent gegen Kaffeerost und ein Ergebnis unserer Züchtung. Wir bauen nun neue Kaffeepflanzungen an, die komplett widerstandsfähig gegen den Kaffeerost sind.“

Neben den Kaffee-Produzent*innen kämpfen viele weitere Kleinbauernfamilien in Zeiten des Klimawandels um ihre Existenz. So haben die Zuckerrohr-Bäuer*innen des Inselstaates Fidschi ebenfalls Maßnahmen getroffen, um sich gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu wappnen. So wie viele tiefliegende kleine Inselstaaten ist Fidschi von den Auswirkungen des Klimawandels besonders bedroht. Niemand weiß das besser als die Zucker-rohr-Produzent*innen, die zwischen zwölf und 15 %des Bruttoinlandsprodukts des Landes erwirtschaften. Die Fidschi-Inseln sind die Heimat der drei größten Fairtrade-Kleinbauernorganisationen im pazifischen Raum. Ebenso wie die regelmäßig vorkommenden Dürren, Überschwemmungen und der Anstieg des Meeresspiegels haben Wirbelstürme wie der Orkan „Winston“ im Februar 2016 verheerende Auswirkungen auf die Zucker-Bäuer*innen und deren Familien und Gemeinden gehabt.

Selbst Fairtrade-zertifizierte Zucker-Produzent*innen, die aufgrund des festen Mindestpreises und der Fairtrade-Prämie mehr Geld erhalten, kämpfen ums Überleben. „Wir beobachten, wie sich das Wetter zunehmend ändert, zum Beispiel bei Trockenperioden in der Regenzeit, und das wirkt sich auf das Wachstum des Zuckerrohrs aus“, berichtet Mohammed Rafiq, Vorsitzender der Zuckerrohr Genossenschaft Labasa. „Die Ernten werden geringer, die gesamte Produktion ist betroffen und Stürme zerstören die Zuckerrohrpflanzen.“ Mohammeds Kollege Ronal Kuma, ebenfalls Zuckerbauer  und Manager der Zuckerrohr-Produzentenvereinigungen Rarawai und Penang, stimmt ihm zu. „Wir hatten nun über sechs Monate hinweg eine Dürreperiode“, erklärt er. „Es begann nach dem letzten Sturm, der alles zerstörte. Wir werden fünf bis sechs Jahre brauchen, um auf den alten Produktionsstand zurückzukommen.“

Sich anpassen und Folgen mildern - mithilfe der Fairtrade-Prämie
Pravin Sawmy ist Manager im Bereich Geschäftsentwicklung von Fairtrade Australien und Neuseeland. Er zeigt auf, welche Versuche bisher unternommen wurden, um mit den Folgen des Klimawandels fertig zu werden. „Bisher flossen Fairtrade-Prämien im Wert von rund 12 Mio. US-Dollar nach Fidschi. Teile des Geldes wurden bereits in Projekte investiert, die den Zucker-Bäuer*innen helfen, widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu werden“, erläutert Pravin. “Die Bauern nutzen beispielsweise Teile der Prämie, um Gräben und Abzugskanäle zu bauen. Bei schweren Regenfällen werden so die Felder nicht überflutet, sondern entwässert. Darüber hinaus lernen sie, wie man den Boden vor Verdunstung schützen kann und sind somit besser auf Trockenzeiten vorbereitet.“ Eine weitere Methode, die den Zucker-Produzent*innen bei der Anpassung an den Klimawandel helfen kann, ist der sogenannte Zwischenfruchtanbau: Dabei werden zum Beispiel Hülsenfrüchte oder Wassermelonen zwischen das Zuckerrohr gepflanzt, was zum einen die Familien mit mehr Nahrungsmitteln versorgt und zum anderen den Boden mit Nährstoffen anreichert, so dass weniger Düngemittel benötigt werden, deren Herstellung sehr energieintensiv ist.

Appell an die Welt
Pabindra Singh, Präsident der Zuckerrohr-Produzentenorganisation Lautoka, ist sehr besorgt über den Klimawandel und die Folgen für die Zuckerproduktion in der Republik Fidschi. Im November 2017 reiste er mehr als 16.000 Kilometer zur UN Klimakonferenz nach Bonn, um an die Regierungen der teilnehmenden Länder zu appellieren, mehr für den Klimaschutz zu tun. “Mit der passenden Unterstützung können Kleinbauern widerstandsfähiger werden”, sagt Pabindra. „Fairtrade Kleinbauern sind besser in der Lage, sich an den Klimawandel anzupassen und seine Folgen zu mildern. Aber wir können das nicht alleine bewältigen. Alle Beteiligten der Wertschöpfungskette – Produzenten, Unternehmer, Einzelhändler und Konsumenten – müssenihre CO2-Bilanz senken und mit an einem Strang ziehen.“

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