Deutsche Umwelthilfe warnt: Wiederaufbau der vom Hochwasser zerstörten Gebiete muss an die Klimakrise angepasst werden

Fataler Irrweg: Wenn — wie von etlichen Politikerinnen und Politikern vorgeschlagen — die zerstörten Gebäude wieder an Ort und Stelle wiederaufgebaut werden, besteht für die Menschen beim nächsten Hochwasser die Gefahr, abermals alles zu verlieren. DUH zeigt mit 10-Punkte-Programm auf, was stattdessen wirklich hilft beim Wiederaufbau: Sofortmaßnahmen für ökologischen Hochwasserschutz und eine naturbasierte Anpassung an die Klimakrise. Die Gemeinschaftsaufgabe “Agrarstruktur und Küstenschutz“ muss in “Anpassung an die Klimakrise und nachhaltige Landnutzung“ umgewandelt werden.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt, dass beim Wiederaufbau der von den Fluten zerstörten Gebieten schwere Fehler drohen. Mehrere Politikerinnen und Politiker haben in Interviews bereits angekündigt, alles exakt so wiederaufzubauen wie zuvor. Dies mag als Reflex gerade vor Ort zwar nachvollziehbar sein, birgt aber die Gefahr, dass beim nächsten Hochwasser die Menschen abermals alles verlieren. Die DUH fordert deshalb wichtige Veränderungen, damit die neu aufgebauten Gebiete gegen die Folgen der Klimakrise wie eine Flutkatastrophe besser   gewappnet sind. Neben einem entschlosseneren Kampf gegen die Erderhitzung müssen beim Wiederaufbau und auch bei allen anderen Planungen in Deutschland der ökologische Hochwasserschutz und eine naturbasierte Anpassung an die Klimakrise an erster Stelle stehen. Die DUH veröffentlicht dazu ein 10-Punkte-Programm, wie dies umzusetzen ist. Wichtig ist dabei unter anderem, Flüssen mehr Raum zu geben sowie Städte und Gemeinden klimaresilient zu gestalten. Das von der Politik versprochenen Geld für den Wiederaufbau muss deswegen für eine gegen die Klimakrise widerstandsfähige Siedlungs- und Infrastruktur genutzt werden.

Dazu DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner: „Den in den Regionen betroffenen Menschen muss jetzt schnellstmöglich dabei geholfen werden, wieder ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Wichtig ist dabei aber: Damit die Menschen beim nächsten Hochwasser nicht wieder alles verlieren, dürfen manche Gebäude nicht wieder am gleichen Ort erreichtet werden wie zuvor. Wir können es uns angesichts der Klimakrise nicht mehr erlauben, in natürlichen Überschwemmungsgebieten Häuser zu bauen und müssen landwirtschaftlich genutzte Flächen in Flussnähe der Natur wieder zurückgeben. Zudem brauchen wir mehr unversiegelte Flächen und mehr Grünflächen in den Städten. Nur so wird es uns gelingen, die verheerenden Folgen zukünftiger Starkregenereignisse abzumildern. Der entschiedene Kampf gegen die Klimakrise, Klimaanpassungsmaßnahmen und ökologischer Hochwasserschutz sind der entscheidende Dreiklang.

Nach den Hochwasserereignissen von 1997 an der Oder und 2002 an der Elbe hieß es von Seiten der Politik immer, man müsse den Flüssen mehr Raum geben. Wie der Auenzustandsbericht von 2021 jedoch zeigt, erfolgte die praktische Umsetzung bisher höchstens in homöopathischen Dosen. Dabei liegen die Lösungen seit langem in den Schubladen. Naturnahe, widerstandsfähige Flussauen speichern große Mengen an Kohlenstoff, und können damit nicht nur zum Hochwasserrückhalt, sondern auch zum Klimaschutz beitragen.

Städte und Gemeinden sind zugleich Betroffene von Extremereignissen und Verantwortliche für die Anpassung an die Klimakrise und den Katastrophenschutz. Es gibt zahlreiche Beispiele und fundierte Ansätze, wie durch so genannte grün-blaue Infrastruktur das Lebensumfeld in der Stadt verbessert werden kann. Offene, unversiegelte Flächen etwa bieten Raum für mehr Wasseraufnahme und gleichzeitig mehr Grün, Biodiversität und Erholung. Dies muss unbedingt beim Wiederaufbau, aber auch bei jedem Neubau, Berücksichtigung finden.

Und um die notwendigen Anpassungen an die Klimakrise zu gestalten, benötigt es eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Dazu gehört eine konsequente Ausrichtung der notwendigen Finanzierungsinstrumente an den Zielen der Klimaneutralität, des Hochwasserschutzes und des Naturschutzes.

Die Anpassung an die Klimakrise ist eine gemeinsame Herausforderung für Bund und Länder. Dafür muss die bisher beim Bundeslandwirtschaftsministerium angesiedelte Gemeinschaftsaufgabe ‚Agrarstruktur und Küstenschutz‘ in eine Gemeinschaftsaufgabe ‚Anpassung an die Klimakrise und nachhaltige Landnutzung‘ umgewandelt werden. Immer noch werden klimaschädliche Praktiken in der Landnutzung von staatlicher Seite subventioniert, dabei muss in Zukunft eine nachhaltige, naturbasierte Anpassung im Vordergrund stehen“, so Müller-Kraenner weiter.

Links:
Das 10-Punkte-Programm für ökologischen Hochwasserschutz und eine naturbasierte Anpassung an die Klimakrise finden Sie hier.

Kontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de

DUH-Newsroom:
030 2400867-20, presse@duh.de

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Constantin Zerger

Leiter des Bereichs Energie und Klimaschutz

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