Lützerath: Stimmen von Mitgliedern der Klima-Allianz Deutschland

Nachdem die Polizei am 11. Januar mit der Räumung von Lützerath und der dort demonstrierenden Bevölkerung begonnen hat, fordern Mitglieder der Klima-Allianz Deutschland, dass die Kohle unter dem Dorf im Boden bleibt und pochen auf die Einhaltung der Pariser Klimaziele.

Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), fordert: „Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen und ihre grüne Wirtschaftsministerin Mona Neubaur müssen endlich einsehen, dass sie sich politisch verrannt haben. Die Proteste gegen die Räumung von Lützerath zeigen, dass ein Weiter So beim Braunkohletagebau vor allem von jungen Menschen nicht mehr akzeptiert wird.

Elisabeth Fresen, Bundesvorsitzende der AbL, kommentiert: „Wir fordern den Stopp der Räumungen und einen Kohlenausstieg, der die 1,5 Grad-Grenze sichert. Dafür muss die Kohle unter Lützerath im Boden bleiben. Weiter fordern wir den Schutz und Erhalt der wertvollen Böden vor Ort. Die Landesregierung in NRW mit Ministerpräsident Henrik Wüst und Klimaministerin Mona Neubaur muss jetzt sofort entsprechende Schritte einleiten.“

Gregor Podschun, Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), erklärt in einem Interview mit katholisch.de: „Der Energiesektor ist einer der größten CO2-Verursacher überhaupt. Was hier abgebaggert wird, ist mit verantwortlich für den hohen CO2-Ausstoß Deutschlands und auch der Erde. Wir kämpfen dafür, dass sich das endlich ändert und dass wir eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien vollziehen. Dafür ist Lützerath der richtige Ort.”

Viviane Raddatz, Fachbereichsleiterin für Klimaschutz- und Energiepolitik beim WWF Deutschland, betont: „Es geht beim Klimaschutz nicht nur um die Frage des endgültigen Kohleausstiegsdatums, sondern auch darum, wie viel Kohle bis zu diesem Datum verstromt wird. Die Studienlage weist darauf hin, dass der Abriss von Lützerath für die Gewährleistung der Versorgungssicherheit und der Bewältigung der fossilen Energiekrise nicht notwendig ist.”

„Unsere Gesellschaft braucht am Beginn des Jahres 2023 keine Kraftakte, keine neuen Konfrontationen und Kampfszenen, sie braucht vielmehr eine Denk- und Gesprächspause darüber, wie wir den brüchigen sozialen Frieden in unserem Land, das angefochtene Vertrauen in die Politik und den so dringend nötigen Frieden mit der Schöpfung fördern können”, äußert die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen Annette Kurschus.

Der Leitende Theologe der rheinischen Kirche, Präses Thorsten Latzel, sagte dem Evangelischen Pressedienst: „Wir setzen uns seit Jahrzehnten nachdrücklich für die Bewahrung der Schöpfung und eine konsequente Klimapolitik ein. Deswegen verstehe ich sehr gut das Anliegen der Menschen, die demonstrieren. Jede weitere Tonne Braunkohle ist eine zu viel für das Klima. Und die Einhaltung der Klimaziele von Paris ist nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch ein verbindliches Ziel unserer Regierung.”

Prominente, Umweltverbände, Wirtschaftsvertreter und Kirchen sowie zahlreiche Einzelpersonen haben eine WeAct-Petition von Protect the Planet unterzeichnet, in der ein Moratorium für Lützerath gefordert wird: Mit dem Abbau der Lützerath-Kohle sind die deutschen Klimaziele auf 1,5° hin nicht zu schaffen – künftige Generationen zahlen hierfür einen hohen Preis, wie auch das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat. Das darf nicht sein, daher braucht es einen Stop der Räumung und der Abbruchgenehmigung – ein Moratorium.”

Auch international werden die Stimmen zu Lützerath laut.

Gabriel Klaasen von der Misereor-Partnerorganisation „project90by2030“ aus Südafrika erklärt: „Mit der fortgesetzten Förderung und Ausbeutung fossiler Brennstoffe sehen wir die anhaltenden Folgen des Klimawandels und die Schäden, die dieser nicht nur auf ökologischer, sondern auch auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene verursacht.“

„Weltweit, besonders in den Ländern des Globalen Südens, leiden Millionen unter den Folgen der menschengemachten Klimakatastrophe. Aktuell besonders in Pakistan, das von Überflutungen in nie gekanntem Ausmaß betroffen ist, und am Horn von Afrika, wo nach vier ausgefallenen Regenzeiten in Folge mehr als 28 Millionen Menschen akut vom Hungertod bedroht sind“, betont Kathrin Schroeder, Leiterin der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen bei Misereor. „Vor diesem Hintergrund ist jede Tonne Kohle, die noch aus der Erde geholt wird, eine Tonne zu viel“.

Die Hauptursache für den Klimanotstand sind fossile Brennstoffe“, sagt Meryne Warah, Globale Organisationsdirektorin der Misereor-Partnerorganisation GreenFaith mit Sitz in Nairobi. „Um des Lebens willen und um massives, grausames Leid zu verhindern, brauchen Afrika und die ganze Welt ein verbindliches Abkommen, das neue Projekte für fossile Brennstoffe stoppt, die bestehende Produktion auslaufen lässt und großzügige Unterstützung für den Übergang zu einer sauberen Energiezukunft und den allgemeinen Zugang zu sauberer, erschwinglicher Energie bietet.“

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Linus Platzer

Referent Kohlepolitik und Strukturwandel NRW

Klima-Allianz Deutschland

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