Schwimmende Klimaschützer: Warum Wale uns gegen die Erderwärmung helfen

Der Ozean produziert über die Hälfte des Sauerstoffs in unserer Atmosphäre: Jeden zweiten Atemzug verdanken wir den Weltmeeren – eine zentrale Rolle spielen dabei Großwale. Die Meeresriesen düngen mit ihren Ausscheidungen pflanzliches Plankton und ihre Körper sind gigantische Kohlenstoff-Speicher. Wale übernehmen damit essenzielle Aufgaben, um den Ozean und das Klima im Gleichgewicht zu halten. Die Wal- und Delfinschutzorganisation WDC will mit ihrer neuen Kampagne die Bedeutung der Meeressäuger für Klima- und Artenschutz bekannter machen und fordert die Aufnahme des Wal- und Meeresschutzes in die deutschen und internationalen Klimaziele.

"In den globalen Klimazielen werden vor allem terrestrische Maßnahmen zur CO2-Reduzierung diskutiert", erklärt WDC-Kampagnenleiterin Astrid Fuchs. "Doch die Tatsache, dass zwei Drittel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, macht deutlich, wie wichtig der Ozean und seine Bewohner für den Klimaschutz sind. Wale gehören zu den größten Lebewesen unseres Planeten, sie spielen eine zentrale Rolle, um das Ökosystem Meer und damit unser Klima gesund zu halten. Sie transportieren und mischen Nährstoffe im Meer und fördern durch ihre Ausscheidungen das Wachstum von Phytoplankton, das über die Hälfte des weltweiten Sauerstoffs in der Atmosphäre produziert. Ihre Körper dienen als riesige Kohlenstoff-Speicher und sind nach ihrem Tod eine wertvolle Nahrungsquelle für das Leben in der Tiefsee. Schützen wir Wale, schützen wir das Klima."

Die neue WDC-Kampagne "Der Grüne Wal – Walschutz ist Klimaschutz" hat das Ziel, Wal- und Meeresschutz in den nationalen und globalen Klimazielen zu verankern. Der symbolische "Grüne Wal" soll – stellvertretend für alle Walarten im Ozean – ein breites öffentliches Bewusstsein für die immense Wichtigkeit eines wirksamen und ganzheitlichen Meeres- und Artenschutzes schaffen. Der Erhalt des Ozeans sowie die Erholung und das Weiterbestehen gesunder Walbestände müssen als zentraler Teil der globalen Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels anerkannt werden.

Aber auch die Wirtschaft muss endlich umdenken: Denn beim Artenschutz geht es schlichtweg auch um den Erhalt von Ressourcen und Ökosystem-Leistungen. "Eine aktuelle Studie zeigt, dass wir auch die Sprache der Wirtschaft sprechen müssen, wenn wir die Natur schützen möchten", sagt Astrid Fuchs. "Dabei geht es nicht darum, Lebewesen mit Geld aufzuwiegen, sondern einen Markt zu schaffen, der ihnen einen Schutzraum liefert und erlaubt, ihre Funktion im Ökosystem voll auszuschöpfen. Man betrachtet Wale also unter am Aspekt des finanziellen Wertes, der jedoch nur zählt, wenn sie am Leben bleiben. Laut Berechnungen erbringt ein gesunder, freier Wal eine Ökosystem-Leistung im Wert von etwa 1,8 Millionen Euro."

In den  Fokus der neuen Kampagne stellt WDC beispielhaft die Buckelwaldame SALT, die vor der Küste der USA lebt: Im Laufe ihres Lebens ist sie bereits 15-mal Mutter geworden, 17-fache Großmutter und sogar 3-fache Urgroßmutter. Sie hat eine ganze Familien-Dynastie gegründet und sorgt so für den Fortbestand ihrer Artgenossen im Golf von Maine. Sie alle schützen als Ökosystem-Ingenieure das Meer, mitsamt seiner Funktion als Klimapuffer. Das zeigt, welchen Unterschied es machen kann, ob ein einzelner Wal überlebt oder stirbt, denn ohne Salt würde es all diese Buckelwale nicht geben.

Allein im 20. Jahrhundert wurden weltweit über drei Millionen Wale durch den kommerziellen Walfang getötet. Bis heute haben sich viele Walbestände noch nicht davon erholt. Außerdem sind Wale vielen weiteren Gefahren ausgesetzt – sie brauchen dringend unseren Schutz, denn die Zeit drängt: Das Herausreißen jedes einzelnen Wals aus seiner ökologischen Rolle, ob durch Walfang, Kollisionen mit Schiffen oder durch Beifang in Fischernetzen, hinterlässt eine dauerhafte Lücke im Ökosystem Meer.

"WDC beschäftigt sich seit rund zehn Jahren mit der wichtigen Rolle der Wale für die Meere und das Klima. Es ist nun dringend an der Zeit, diese im öffentlichen Bewusstsein zu verankern – denn die Zukunft der Wale ist auch unsere Zukunft", schließt Astrid Fuchs.

 

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Astrid Fuchs

astrid.fuchs@whales.org
Telefon: 0176 9924 4144