Wasserstoff-Partnerschaft mit Kanada: Bringt sie die Energiewende voran?

Bundeskanzler Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Robert Habeck sind nach Kanada gereist, um eine langfristige Kooperation zur Erzeugung und zum Transport von Wasserstoff zu vereinbaren. So wollen sie Deutschland ein Stück unabhängiger von russischer Energie machen. Ab 2025 soll Wasserstoff von dort nach Deutschland geliefert werden. Mehrere Mitglieder der Klima-Allianz Deutschland begrüßen diesen Schritt, warnen aber vor der Produktion von fossil-basiertem Wasserstoff.

Der WWF Deutschland sieht Wasserstoff als Baustein zur Dekarbonisierung und Energieunabhängigkeit, betont jedoch die Wichtigkeit von verbindlichen Nachhaltigkeitskriterien für grünen Wasserstoff. Dazu sagt Viviane Raddatz, Fachbereichsleiterin Klima- und Energiepolitik beim WWF Deutschland und Sprecherin der Klima-Allianz Deutschland:  
„Daran müssen sich alle Wasserstoffprojekte orientieren, um zum Ausbau der Erneuerbaren Energien und somit zum Klimaschutz weltweit beizutragen – weg von fossilen Kraftstoffen hin zu Erneuerbaren Energien. Für die Produktion von Wasserstoff ist ein Zubau von Erneuerbaren unter Berücksichtigung der Naturverträglichkeit und der Interessen indigener Bevölkerung unerlässlich. Weil sowohl die Erneuerbaren Energien als auch die nötige Infrastruktur für die Lieferungen nach Deutschland noch nicht ausreichend ausgebaut sind, muss der Fokus kurzfristig hierzulande weiterhin auf Energiesparen und Energieeffizienz liegen.“ 

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bewertet die Wasserstoff-Partnerschaft als wichtigen Meilenstein für die zukünftige Zusammenarbeit im Bereich der Erneuerbaren Energien. Gleichzeitig warnt der Umwelt- und Verbraucherschutzverband vor klimapolitischen Fehltritten durch Wasserstoff auf Basis fossiler Energien, sogenanntem „zero“ oder „ultra-low“ Wasserstoff.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, kommentiert: „Der Fokus auf grünen Wasserstoff, hergestellt aus Erneuerbaren Energien, ist dabei entscheidend: Deutschland darf hier nicht einknicken. Jetzt kommt es auf die Umsetzung des deutsch-kanadischen Abkommens an. Von der kanadischen Regierung erwarten wir bei der Herstellung von grünem Wasserstoff hohe Umweltstandards und die Wahrung indigener Rechte. Die deutsche Bundesregierung fordern wir auf, grünen Wasserstoff nur dort einzusetzen, wo es keine anderen Möglichkeiten zur Dekarbonisierung gibt.“


Constantin Zerger, DUH-Leiter Energie und Klimaschutz, ergänzt: „Trotz aller Fortschritte hält sich Kanada die Tür für die Produktion von fossil basiertem Wasserstoff offen. Ob er nun ‚zero‘ oder ‚ultra-low‘ genannt wird, ändert nichts an den sehr hohen Emissionen, die mit der Herstellung einhergehen. Wir können die kanadische Regierung nur davor warnen, für ihre künftige wirtschaftliche Entwicklung auf den Export dieser extrem klimaschädlichen Energieträger zu setzen. Weder Europa noch anderen Teilen der Welt wäre damit klimapolitisch weitergeholfen.“
 

Hintergrund: 
Grüner Wasserstoff kann als Energieträger, Speichermedium und Rohstoff in industriellen Prozessen sowie als Grundlage für Kraftstoffe dienen und somit fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas ersetzen. Für die Herstellung muss allerdings sehr viel Energie aufgewendet werden. Nur wenn diese nachhaltig und aus zusätzlichen erneuerbaren Quellen produziert sowie effizient eingesetzt werden, können Wasserstoff und seine Derivate effektiv zum Klimaschutz beitragen.  

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Viviane Raddatz

Fachbereichsleiterin Energiepolitik und Klimaschutz

WWF Deutschland

viviane.raddatz@wwf.de

Telefon: 030/311 777 236