Weltfrauentag 2021: MISEREOR ruft zu Perspektivwechsel auf

Kein sozial-ökologischer Wandel ohne Gleichberechtigung: Zum Weltfrauentag 2021 fordert MISEREOR dazu auf, Geschlechtergerechtigkeit als wesentlichen Bestandteil weltweit notwendiger Veränderungsprozesse anzuerkennen und sich dafür einzusetzen - auch und gerade in der Entwicklungszusammenarbeit.

Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März lenkt MISEREOR den Blick auf die wachsende Gewalt gegenüber Frauen und nicht-heterosexuellen Menschen weltweit: "Wir müssen uns bewusst machen, dass die massiv ansteigende sexistische Gewalt an Frauen einhergeht mit anderen Gewaltformen, die sich gegenwärtig immer mehr zuspitzen. Sexistische, koloniale, rassistische Diskriminierung sowie die grenzenlose Ausbeutung der Natur sind Bestandteile ein und desselben kapitalistischen Systems", warnt Sandra Lassak, theologische Grundsatzreferentin bei MISEREOR. Dieses System basiere auf Ausbeutung und Unterwerfung zugunsten eines ungerechten und profitorientierten wirtschaftlichen Wachstumsmodells. Die aktuelle Corona-Krise verstärkt diese Entwicklung weiter. "Es ist ein System, das auf Ungleichverteilung und Unterwerfung setzt und dafür die Ausbeutung unserer Lebensgrundlagen gnadenlos vorantreibt. Das von der Erde nimmt und nichts zurückgibt."

Gefährliches System der Ausbeutung und Unterwerfung
Sandra Lassak macht deutlich: "Seit Jahrhunderten existiert in der westlichen Welt ein Überlegenheitsgefühl gegenüber der Natur, gegenüber Indigenen, gegenüber Frauen. Geschlechtergerechtigkeit sei deshalb ein wichtiger Motor für gesellschaftlichen Wandel. Die Herausforderung besteht darin, die verschiedenen hierarchisierten und gewaltvollen Beziehungen zwischen Männern und Frauen, zwischen verschiedenen Nationalitäten und ethnischen Gruppen, zwischen Mensch und Natur zu einem harmonischen, solidarischen Miteinander in unserem gemeinsamen Haus der Erde zu verwandeln."

Die Zeit drängt
"Was wir brauchen sind grundlegende systemische, strukturelle Veränderungen im Denken und der Praxis innerhalb der Gesellschaft, aber gerade auch in unserer Kirche", betont Lassak, die sieben Jahre in Peru gelebt hat und dort in der theologischen Bildung von Frauen und in der Gewaltprävention tätig war. "Dass Frauen weltweit wichtige Akteurinnen der Veränderung sind und sich gerade auch gegen den grenzenlosen Raubbau an der Natur und für die Verteidigung von Lebensgrundlagen engagieren, muss stärker ins Blickfeld gerückt werden." Hierfür brauche es einen Perspektivwechsel: Frauen nicht einseitig als Opfer und Hilfsempfängerinnen zu verstehen, sondern Erfahrungen von Frauen weltweit zusammenzubringen und sich für gemeinsame Anliegen einzusetzen, darum ginge es. "Dafür möchten wir uns als Werk der Entwicklungszusammenarbeit konkret einsetzen. Die Zeit drängt."

 

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Kathrin Schroeder

Abteilung Politik und Globale Zufkunftsfragen

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