Klimabedingte Migration

#05 Berliner Klimagespräche – Klimabedingte Migration: Wenn der Klimawandel Menschen in die Migration treibt

Bei den #05 Berliner Klimagesprächen am 30. März diskutierten VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über die Folgen des Klimawandels für die Länder des globalen Südens. Mit der nigerianischen Klima-Aktivistin Chinma George diskutierten Marion Lieser (Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland), Dennis Tänzler (Director of International Climate Polic von adelphi) und Peter Fischer (Beauftragter für Energie- und Klimapolitik und Exportkontrolle im Auswärtigen Amt). Die Diskussion leitete Dagmar Dehmer vom Tagesspiegel.

Die TeilnehmerInnen der Podiumsdiskussion waren sich einig, dass Dürren und Überschwemmungen in Nigeria im Zusammenhang mit der Deutschen Klimapolitik und der exzessiven Nutzung fossiler Brennstoffe stehen.

Chinma George zeigte zu Beginn in einem Kurzimpuls die Folgen des Klimawandels in ihrem Heimatland Nigeria auf. Neben Dürren im Norden berichtete sie über die katastrophalen Auswirkungen der Überschwemmungen im Süden des Landes im Jahr 2011, bei denen mehr als hundert Menschen ums Leben kamen. Mit dem sinkenden Wasserspiegel des Tschadsees am Südrand der Sahara bedrohe die Ausbreitung der Wüste sowie die Erderwärmung die Existenzgrundlage der Fischer und Bauern der angrenzenden Staaten Tschad, Kamerun, Nigeria und Niger. Die Folge: Infolge der Perspektivlosigkeit und Existenzängste bereitet der Klimawandel auch den Nährboden für Terrororganisationen wie Boko Haram. Ein nigerianisches Sprichwort besagt: An idle man is the devil’s workshop (sinngemäß: Ein Mensch ohne Beschäftigung ist des Teufels Werkstatt), so George.

Die Auswirkungen von Dürren und Umweltkatastrophen zwingen immer mehr Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat, so Dennis Tänzler. Dies bestätigen auch die Zahlen von Oxfam Deutschland: Mehr als 20 Millionen Menschen waren allein im Jahr 2014 gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Gemäß der Genfer Flüchtlingskonventionen besitzen die Opfer des Klimawandels jedoch kein Anrecht auf Asyl. Stattdessen werden sie in Deutschland oft abwertend als „Wirtschaftsflüchtlinge“ bezeichnet und erhalten keinen sicheren Aufenthaltsstatus.

Der Beauftragte für Energie- und Klimapolitik und Exportkontrolle des Auswärtigen Amtes, Peter Fischer, betonte die aus dem Klimawandel resultierenden erhöhten Sicherheitsrisiken. Die grenzüberschreitende Migration stelle die Empfängerstaaten vor große Herausforderungen. Deswegen hob er den internationalen Einsatz für den Klimaschutz sowie die nationalen Klimaziele hervor, ohne den Deutschland und Europa „vor Herausforderungen, die noch viel, viel größer sind“ stünden. Besonders die vorherrschende Energiearmut in Nigeria trage zur unzureichenden Gesundheitsversorgung sowie geringen Bildungs- und Einkaufsmöglichkeiten bei. Deswegen arbeite die nigerianische Regierung an der dezentralen Energieversorgung durch Solarenergie, so Fischer, damit den Menschen neue Perspektiven geboten würden und sie sich und ihre Familien versorgen könnten. Klimawandel sei somit auch eine Frage der Sicherheit, welche die Bundesregierung auch im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen voranbringen möchte. Wichtig sei es, gemeinsam mit den G7-Staaten Entwicklungs-, Umwelt- und humanitäre Strategien voranzubringen und diese klimasensitiv einzubringen.

Marion Lieser, Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, forderte ein Umdenken bei den internationalen und nationalen Hilfsmaßnahmen und in der Entwicklungshilfe. Sie kritisierte, dass den Opfern des Klimawandels nur geholfen werde und sie auf der politischen Agenda stünden, wenn „wirklich eine Katastrophe – nämlich eine große Flut oder eine riesengroße Dürre passiert.“ Deshalb stünden die Gesellschaft und die Politik in der Verantwortung, die Opfer des Klimawandels bei ihrer klimabedingten Anpassung zu begleiten und mit Präventivmaßnahmen zu unterstützen. Sie sollten ihnen etwa durch ökologische Anbaumethoden oder bei der Verwendung von traditionellen, besonders dürreresistenten Getreidesorten unterstützend zur Seite stehen.

Chinma George forderte Deutschland auf, schnell aus der Kohle auszusteigen und die Treibhausgasemissionen weiter zu senken. Als internationales Vorbild sende Deutschland damit ein wichtiges Signal – das auch in Georges Heimatland Nigeria Anklang findet. So berichtet die Klima-Aktivistin, dass die nigerianische Regierung mittlerweile erneuerbare Energien fördere und der durch Erdöl dominierten Wirtschaft somit Alternativen aufzeigt.

Klima-Aktivistin Chinma George aus Nigeria
Chinma George erläutert die Folgen des Klimawandels in ihrem Heimatland Nigeria
v.l.n.r. Chinma George, Dennis Tänzler, Marion Lieser, Peter Fischer, Dagmar Dehmer
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Malte Hentschke

Referent Kommunikation
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