Weltklimakonferenz in Bonn beendet

Die UN-Klimakonferenz COP23 in Bonn ging heute zu Ende. Mehrere Mitglieder der Klima-Allianz Deutschland ziehen eine gemischte Bilanz. Vor allem die Unterstützung der am stärksten Betroffenen kommt ihnen zufolge zu kurz.

Das Hauptziel der Konferenz in Bonn hatte darin bestanden, ein Regelwerk für das Umsetzen des Pariser Klimaabkommens auf den Weg zu bringen. MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel bemängelt: „Wir brauchen klare Regeln, damit das Pariser Abkommen funktionieren kann, keine Absichtserklärungen“. Zu glaubwürdigem Klimaschutz gehöre auch die Bereitstellung finanzieller Mittel, die vor allem Länder des Globalen Südens forderten.

Für die kleinen Inselstaaten, zu denen Gastgeber Fischi gehört, ist das Ergebnis der Bonner Klimakonferenz eine herbe Enttäuschung, resümiert Sabine Minninger von Brot für die Welt: „Das für die Pazifikstaaten so wichtige Thema der klimabedingten Schäden und Verluste (Loss and Damage) ist erneut unter den Tisch gefallen. Der Versuch, bereits eingetretene Schäden in Folge des Klimawandels höher auf die klimapolitische Agenda zu setzen, scheiterte am Desinteresse der reicheren Staaten“, kritisiert die Klimareferentin.

„Deutschland droht beim Klimaschutz international den Anschluss zu verlieren", bewertet Klaus Milke, Vorsitzender von Germanwatch, die Rolle der Bundesrepublik in der internationalen Klimapolitik zum Ende der Weltklimakonferenz in Bonn. Es setze einen sozialverträglichen Kohleausstieg und Wenden in der Verkehrs- sowie Landwirtschaftspolitik voraus, um die politische Glaubwürdigkeit Deutschlands aufrecht zu erhalten.

Sven Harmeling, klimapolitischer Koordinator von CARE, sieht Fortschritte in den Bereichen Landwirtschaft und Geschlechtergerechtigkeit: „Wir freuen uns besonders, dass sich die Vertragsparteien auf Ernährungssicherheit und soziale Dynamik konzentrieren und die Agraragenda in die Umsetzung bringen werden.“ Allerdings gebe es nach wie vor eine inhaltliche Diskrepanz zwischen einigen Entwicklungs- und Industrieländern, wenn es um Emissionsreduzierung und Klimafinanzierung geht. Daher brauche der globale Klimavertrag deutlich stärkere Führung und politischen Willen.

Für Oxfams Klimaexperten Jan Kowalzig ist zwar die Etablierung des „Talanoa-Dialogs“ im nächsten Jahr zur Evaluierung der Klimaschutzmaßnahmen eine gute Nachricht, doch mangelte es noch bei der Umsetzung des Warsaw Mechanism on Loss and Damage (WIM). Dieser sei zur Zeit lediglich eine Arbeitsgruppe und noch kein wirksamer Mechanismus zur Unterstützung der ärmsten und besonders verwundbaren Länder: „Die wachsenden Schäden und Zerstörungen infolge von Dürren, Stürmen und anderen Unwetterextremen bringen gerade die kleinen Inselstaaten zunehmend in existenzielle Nöte – auch finanzieller Art“.

Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands, bemängelt an der nun zurückliegenden Weltklimakonferenz vor allem Deutschlands Rolle: "Zwar wurde in Bonn mehr als erwartet über den Ausstieg aus der Kohleverbrennung gestritten. Doch Deutschland hat hier, auch gelähmt durch die unklare Situation nach der Bundestagswahl, eine schlechte, unklare, auf keinen Fall wegbereitende Rolle gespielt. 2015 zum G7-Gipfel in Elmau hatte Angela Merkel noch die „Dekarbonisierung“ in die Abschlusserklärung gebracht und dann – leider typisch – nichts mehr getan. Deutschland gehört zu den Verlierern von Bonn."

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