Verkehrswende

Ohne Auto, ohne Lügen – 7 Wochen anders leben

„Es geht ganz viel ohne Auto“, sagt Rolf Stahl. Seit 2010 nimmt der Koblenzer Superintendent an der Aktion Autofasten teil – und ist zum begeisterten Radfahrer geworden. Fasten und bewusster leben kann man bis Ostern aber noch auf andere Art. Und sich zum Beispiel in kirchlichen Fastengruppen austauschen und gegenseitig stärken.

Autofahrten verringern, stattdessen mal mit Bus, Bahn, Rad oder zu Fuß unterwegs sein – dazu ermuntert die ökumenische Aktion Autofasten in diesem Jahr zum 22. Mal. Am Aschermittwoch wurde sie eröffnet. Die Evangelische Kirche im Rheinland und in Hessen-Nassau sowie die katholischen Bistümer Trier, Mainz, Köln und Fulda, der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen und die katholische Kirche im Luxemburg tragen die Fastenaktion gemeinsam. Sie wollen damit auch zum Klimaschutz beizutragen.

Radeln für die Gesundheit

„Durch das Autofasten bin ich zum notorischen Radfahrer geworden“, berichtet Pfarrer Rolf Stahl. „Es gibt deutlich mehr Möglichkeiten, das Auto stehen zu lassen, als anfangs gedacht.“ In der Fastenzeit fährt der Koblenzer Theologe weitere Strecken mit dem Rad als sonst im Jahr und nutzt auch bewusst Bus und Bahn. Aufs Rad statt ins Auto zu steigen hat für ihn viele Vorteile: Man spare Zeit, Parkgebühren und tue was für die Gesundheit, denn, so Stahl: „Ich bewege mich an der frischen Luft, ganz ohne Fitnessstudio.“

Mit Gleichgesinnten in der Fastengruppe

Im Saarland wollen über 480 Personen in der Fastenzeit ausprobieren, wie man auch ohne Auto mobil sein kann. Einige tauschen ihre Erfahrungen in einer ökumenischen Fastengruppe in der Kirchengemeinde Brebach-Fechingen aus. Zum Beispiel Edelinde Bodi-Ihl und Elfriede Kreuz. Kreuz nimmt zum ersten Mal am Autofasten teil und ist gespannt, welche Erfahrungen sie machen wird. Bodi-Ihl will „mal wieder über das eigene Verhalten nachdenken“ und Kontakt zu Gleichgesinnten finden. Seit zehn Jahren macht die Rentnerin aus Saarbrücken-Fechingen beim Autofasten mit, weil sie sich „um die Umwelt sorgt.“ Im Saarland sei es schwer, ganz auf das Auto zu verzichten, denn die ÖPNV-Verbindungen seien schlecht, sagt die 73-Jährige. „Abends nach 22 Uhr kommen Sie aus der Stadt mit dem Bus nicht mehr nach Fechingen“, bedauert sie.

Nicht nur eine Frage von Verzicht

Auch Helmut Willems gehört zur Fastengruppe. Fasten ist für den Gemeindereferenten nicht nur eine Frage von Verzicht. Es gehe darum, „zu erkennen, was mich als Menschen ausmacht.“ Seine Wege legt er in der Regel immer mit dem Fahrrad zurück. „Das macht mir Spaß und funktioniert“, sagt der 58-Jährige. Pfarrer Josef Jirasek betreut die Gruppe. Für den gelegentlichen E-Bike-Fahrer ist es wichtig, die Themen Umwelt, Bewahrung der Schöpfung und Ökologie im Gespräch zu halten. Gerade in der Passionszeit machten sich viele Menschen Gedanken über sich selbst und das Leben in unserer Gesellschaft. Daran könne die Fastengruppe anknüpfen und zu ökologischem Handeln ermuntern.

So viel du brauchst

Klimaschutz und Klimagerechtigkeit stehen auch im Mittelpunkt der Fastenaktion „So viel du brauchst“, zu der ebenfalls die großen Kirchen einladen. Dabei geht es zum Beispiel darum, achtsamer zu kochen, Plastikmüll zu vermeiden oder Orte der Einkehr und Ruhe aufzusuchen.

7 Wochen Ohne

Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) widmet sich in diesem Jahr dem alltäglichen Umgang mit der Wahrheit. Das Thema ist hochaktuell und höchst unbequem. „Mal ehrlich! 7 Wochen ohne Lügen“ heißt das Motto. Die Bibel macht dazu eine klare Ansage: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“, heißt es im achten Gebot. Doch wie ist das mit den oft bemühten Notlügen? Umfragen zufolge lügt die Mehrheit der Deutschen täglich.

Den Alltagstrott überdenken


In der Kirchengemeinde St. Augustin bei Bonn trifft sich seit Jahren eine Gruppe von zwölf bis 16 Fastenden zur „7 Wochen Ohne“-Aktion. Sie nutzen die Passionszeit, um gemeinsam ihren Alltagstrott zu überdenken, neue Perspektiven einzunehmen und sich zu fragen, worauf es im Leben wirklich ankommt. „Wir sind ein treuer Haufen, kommen schnell ins Gespräch“, sagt die Leiterin Renate Haupt. Sie bereitet die sieben Gruppentreffen vor. Das diesjährige Thema „7 Wochen ohne Lügen“ findet sie persönlich zu provokant. Deshalb werde man in der Gruppe wohl eher der Aufforderung der Initiative „Andere Zeiten e.V.“ folgen: "7 Wochen anders leben"

Kein Rotwein, kein Einkaufsbummel

Beim ersten Treffen werde reihum das persönliche Fastenziel abgefragt, erläutert Haupt. Das könne zum Beispiel der Verzicht auf Rotwein sein oder weniger oft zum Einkaufsbummel aufzubrechen. In der Gruppe werde dann darüber geredet, wie man mit seinen Vorsätzen zurechtkomme. „Dazu gibt es eine Tasse Tee, aber keine Plätzchen“, schmunzelt die ehemalige Presbyterin. „Nach Ostern treffen wir uns noch einmal und dann gönnen wir uns ein üppiges Kuchenbüfett.“

Quelle und weitere Informationen: Evangelische Kirche im Rheinland

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