Was fehlt, ist der politische Wille
Zwei Wochen nach Veröffentlichung des Sonderberichts des Weltklimarats (IPCC) zu 1,5 Grad richtete die Klima-Allianz Deutschland gemeinsam mit VENRO am 23. Oktober 2018 die Konferenz „Jedes Zehntelgrad zählt: Gemeinsam handeln!“ aus. Dabei wurden zentrale Erwartungen und Herausforderungen, die sich aus dem Sonderbericht des Weltklimarats ergeben, mit Vertreter*innen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft diskutiert. Jule Reimer vom Deutschlandfunk führte als Moderatorin durch den Tag.
Die zentrale Erkenntnis des 1,5-Grad-Berichts wurde auf der Konferenz von der IPCC-Autorin Prof. Dr. Daniela Jacob bekräftigt: „Es ist machbar, die Erwärmung auf etwa 1,5 Grad im Verhältnis zum vorindustriellen Zeitalter zu halten. Es gibt keine physikalischen, chemischen, technischen oder finanziellen Probleme, die es unmöglich machen. Es gibt aber politische Hürden und Chancen, die eine große Rolle dabei spielen."
Als Vertreter der Politik war Martin Jäger, Staatsekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) anwesend. Dieser betonte, dass Deutschland hinter dem Paris-Abkommen stehe: „Es bedarf beim Klimaschutz zusätzlicher Anstrengung, und zwar massiv und schnell“. Auch die Gefahren des Klimawandels für eine nachhaltige Entwicklung sprach er an: „Der Klimawandel bedroht entwicklungspolitische Erfolge. Wir stehen in der Verantwortung für die Generationen, die nach uns kommen".
In der Diskussionsrunde zum Auftakt der Konferenz betonte Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch: „Es lohnt sich gemeinsam um jedes Zehntelgrad zu kämpfen. Diese Generation entscheidet in den nächsten zehn Jahren über unsere Zukunft.“
Am Nachmittag fanden vier parallele Themenforen statt, in denen die Rolle der Politik, insbesondere Deutschlands und Europas, die Bedeutung des Landsektors und die Notwendigkeit einer Just Transition, also eines gerechten Wandels, diskutiert wurden. Zahlreiche Mitglieder der Klima-Allianz Deutschland und von VENRO gestalteten die Themenforen mit, moderierten die Diskussionen und brachten ihre Expertise ein.
Zu einem Aufeinandertreffen von Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft kam es beim Abschlusspanel. Andrea Meyer vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit stellte das geplante Klimaschutzgesetz als zentrales klimapolitisches Projekt der aktuellen Bundesregierung vor. Mit Dr. Artur Runge-Metzger, Abteilungsleiter in der Generaldirektion Klimapolitik der Europäischen Kommission, Dr. Brigitte Knopf, Generalsekretärin am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change, Sven Harmeling, Climate Change Advocacy Coordinator bei CARE International, und Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, diskutierte sie, welche konkreten Maßnahmen in Deutschland und Europa nun umgesetzt werden müssen, um der internationalen Verantwortung im Klimaschutz gerecht zu werden.
Das Orchester des Wandels lieferte zum Abschluss einen motivierenden kulturellen Beitrag zum Aufbruch in den notwendigen gesellschaftlichem Wandel: Mit der Uraufführung des „Aussteigerlieds“ entließen sie ihr Publikum beschwingt in den Abend.
Bei einer Sache waren sich alle Teilnehmer*innen der Konferenz einig: Um die Vereinbarungen aus dem Pariser Klimaabkommen einzuhalten, muss jetzt gehandelt werden. Deutschland trägt dabei als Industrieland eine besondere Verantwortung, um globale Gerechtigkeit zu schaffen.