Agrarwende

IPCC-Sonderbericht: Mitglieder der Klima-Allianz fordern echte Agrarwende

Der Sonderbericht des Weltklimarats zu Klimawandel und Landsystemen zeigt deutlich, dass es so in der Landwirtschaft nicht weitergehen kann. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen nehmen dies zum Anlass, um ihre Forderungen an die Bundesregierung weiter zu schärfen.

Seit Langem herrscht Stillstand in der deutschen Agrarpolitik. Noch immer stammen hierzulande rund 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Treibhausgasemisssionen aus Tierhaltung und Futterproduktion. Die bisherigen Vorschläge von Bundesagrarministerin Julia Klöckner reichen bei weitem nicht aus, um die Pariser Klimaziele einzuhalten. Dabei liefert der ökologische Landbau schon jetzt die entscheidenden Lösungswege, klimafreundlicher zu wirtschaften.

Christian Rehmer, Leiter Agrarpolitik beim BUND sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Reduktion der Tierbestände und im Umbau der Nutztierhaltung: "Um Klima und Umwelt zu schützen und die Tiere artgerechter zu halten, muss der Tierbestand in Deutschland bis 2050 um die Hälfte reduziert werden. Dazu müssen eine flächengebundene Tierhaltung sowie eine standortbezogene Obergrenzen in allen Regionen Deutschlands rechtlich verankert werden. Die Flächenbindung nur an das Förderrecht zu binden, wie Julia Klöckner vorschlägt, ist zu wenig. Es darf keine Hintertür geben, dass man durch Umgehung des Förderrechts große Bestände halten darf."                                       

Laut Gerald Wehde, Leiter der der Agrarpolitik bei Bioland setzt die Bundesregierung in der Landwirtschaft auf falsche Strategien und gefährdet damit Klima und Umwelt: „Anstatt ernsthafte Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die aus dieser Misere führen und für mehr Umwelt, Tier- und Klimaschutz sorgen, nutzt Julia Klöckner die Klimaschutzdebatte vielmehr, um die industrielle Tierhaltung weiter zu fördern. Klöckner will den Bau von Güllelagern und –aufbereitungsanlagen sowie von Biogasanlagen massiv fördern, obwohl eine Strategie zur Senkung der Tierbestände längst überfällig wäre. Viel Beton ändert an den Ursachen der Nährstoffüberschüsse und der Intensivhaltung der Tiere nichts. So wird die Bevölkerung mit Lösungsvorschlägen im Namen des Klimaschutzes geblendet, in Wirklichkeit werden aber nur die Profiteure der industriellen Tierproduktion, wie die exportorientierende Fleischindustrie, weiter gestärkt. Wir fordern daher, keine weiteren Steuergelder mehr für die indirekte Förderung der Massentierhaltung einzusetzen.“

Jan Kowalzig, Klima-Experte bei Oxfam betont die Verantwortung gegenüber dem Globalen Süden: „Insbesondere in den ärmeren Ländern des Globalen Südens gefährdet der Klimawandel die Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen, die in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft auf ein stabiles Klima angewiesen sind. Die Welt muss sich den Gefahren entgegenstellen, die der Bericht in aller Deutlichkeit beschreibt. Zuallererst gilt es, die weltweiten Treibhausgase noch vor 2050 auf Netto-Null zu senken. Neben den fossilen Energien ist insbesondere auch die industrielle Landwirtschaft ein wesentlicher Treiber des Klimawandels, wie der Bericht eindrücklich klarstellt. Hoher Energiebedarf, Düngereinsatz, Massentierhaltung, aber auch Transport, Lagerung, Verarbeitung und Verkauf von Lebensmitteln führen dazu, dass rund ein Drittel des weltweiten Ausstoßes der gefährlichen Treibhausgase auf den Nahrungsmittelsektor zurückgeht.“

Lesen Sie hier die vollständigen Statements von BUND, Bioland und Oxfam.

Auch die Klima-Allianz hat sich zum IPCC-Report positioniert. Unsere Einschätzung finden Sie hier.


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Sibylle Centgraf

Klima-Allianz Deutschland
Referentin Klimaschutzgesetz
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sibylle.centgraf@klima-allianz.de