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Nationale Wasserstoffstrategie beschlossen – Das sagen unsere Mitglieder

Die Bundesregierung hat am Mittwoch eine nationale Wasserstoffstrategie beschlossen, mit Investitionen von rund 9 Milliarden Euro. Wasserstoff ist laut BMU entscheidend für die Dekarbonisierung wichtiger deutscher Kernbranchen wie der Stahl- und Chemieindustrie, aber auch des Verkehrssektors.

Wie bewerten unsere Mitglieder die Strategie?

Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD), erachtet die Wasserstoffstrategie als einen „guten Ansatz für einen nachhaltigen Einsatz im Luftverkehr“, Wasserstoff sei jedoch „keine Lösung im Straßenverkehr.“ Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, kommentiert: „Zentraler Punkt ist, dass die Bundesregierung sich klar für grünen Wasserstoff ausspricht, der ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. Nur so ist Wasserstoff CO2-frei und unterstützt das Ziel der Treibhausgasneutralität. (…) Klar ist aber auch: Der Großteil wird importiert werden müssen. Für Produktion und Transport braucht es ambitionierte Nachhaltigkeitskriterien. (…) Im Verkehrsbereich ist der Einsatz von Wasserstoff nur eine begrenzte Option zur Treibhausgasminderung. Er sollte nur dort eingesetzt werden, wo eine direkte Elektrifizierung nicht möglich ist, etwa für synthetische Kraftstoffe im Flugverkehr.“

„Fokus auf erneuerbarer Erzeugung richtig, Einsatz in Pkw und Heizung falsch“, findet auch die Deutsche Umwelthilfe. Die DUH begrüßt „den Fokus auf die Erzeugung von grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien.“ Doch „das Ausbauziel von fünf Gigawatt Elektrolyseleistung bis 2030 muss aus klimapolitischer Sicht (…) auf zehn Gigawatt in 2030 verdoppelt werden. Wasserstoff ist allerdings kein Allheilmittel: Die heutigen Erdgasmengen einfach durch Wasserstoff zu ersetzen, ist eine Illusion.“

Der BUND sieht die Wasserstoffstrategie insgesamt kritisch: „Sie verstetigt einen hohen Energieverbrauch, indem sie zentrale Anforderungen an Energiesparen und Energieeffizienz außer Acht lässt. Und sie führt das Land so in eine hohe Importabhängigkeit. Auch im Verkehr setzt die NWS falsche Prioritäten: Aufgrund des hohen Stromverbrauchs bei seiner Herstellung kann Wasserstoff immer nur die zweit- oder drittbeste Lösung nach der direkten Stromnutzung sein.“

Für den WWF ist die Wasserstoffstrategie unzureichend. Um den Wasserstoff als Energieträger der Zukunft einsetzen zu können, müssen die „Grundvoraussetzungen wie der Ausbau erneuerbarer Energien und sozial-ökologische Aspekte der Wasserstoff-Herstellung berücksichtigt werden. Um die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und das Ziel der EU-Kommission, bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden, zu erreichen, führt kein Weg an CO2-freien Energieträgern vorbei. Wasserstoff wird dabei insbesondere für die Industrie eine zentrale Rolle spielen, ein klimafreundliches Allheilmittel ist er aber nicht“, sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland.

Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt, lobt die Fokussierung auf grünen Wasserstoff. Für einen „Wasserstoff-Hype“ sei es aber zu früh, „denn grüner Wasserstoff wird auch im globalen Kontext ein sehr knappes Gut bleiben. Bei der Förderung des Exports von Wasserstoff aus Entwicklungsländern müssen die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung im Fokus stehen. Deshalb kommt es darauf an, unter Beteiligung der lokalen Zivilgesellschaft Nachhaltigkeitskriterien zu entwickeln, so dass Energieversorgung und Energiewende vor Ort nicht gefährdet werden.“

Germanwatch sieht den Fokus auf grünen Wasserstoff als positiv an. Doch die EU-Klimaziele für 2030 benötigen eine Überarbeitung. „Gut ist, dass die Wasserstoffstrategie einem klaren Klimaschutzauftrag folgt und sich Klimaneutralität bis 2050 als Oberziel setzt", sagt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. „Doch so wie sie heute beschlossen ist, ist sie fast schon wieder veraltet. Die Strategie orientiert sich noch nicht an der inzwischen auch von Deutschland unterstützten Verbesserung des EU-Klimaziels für 2030 von minus 40 auf mindestens minus 50 bis 55 Prozent.“

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Christiane Hildebrandt

Referentin
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