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Starkes Signal vom BEE-Neujahrsempfang 2020: Dieses Jahrzehnt gehört den Erneuerbaren

Rund 1.400 Gäste haben auf dem BEE-Neujahrsempfang unter Beweis gestellt, dass die Erneuerbaren heute ins Zentrum der Energieversorgung gerückt sind. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Mittelstand, Gewerkschaften, Umwelt-NGOs und Zivilgesellschaft kamen am 30. Januar in Berlin mit der Erneuerbaren-Branche zusammen.

Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie, betonte in ihrer Eröffnungsrede, dass der Rückhalt für die Energiewende in der Bevölkerung ungebrochen ist. „Die Politik muss mutiger erklären, welche Vorteile die Erneuerbaren für Wirtschaft und Klima bringen. Die Erneuerbaren sind das System-Update für die deutsche Wirtschaft. Wir lassen uns keine Debatte um Akzeptanz aufzwingen, die mit der Realität wenig zu tun hat. Wir sind alle gefordert, für die Energiewende und ihre Chancen zu werben.“ Gerade erst hat eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gezeigt, dass über 90 Prozent der Bevölkerung den stärkeren Ausbau der Erneuerbaren Energien befürworten, damit die Energiewende gelingt. Der Abstand zu einem Windrad hat dabei nur einen sehr geringen Einfluss.

An Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gerichtet forderte die BEE-Präsidentin einen klaren und verlässlichen Fahrplan für den Ausbau der Erneuerbaren bis 2030, damit das 65-Prozent-Ziel im Stromsektor und damit die Klimaziele erreicht werden können. Bestehende Deckel und Hemmnisse müssten sofort abgeschafft werden. In Hinblick auf Wasserstoff betonte Simone Peter, dass dieser nur dann klimapolitisch sinnvoll ist, wenn er aus Erneuerbaren Energien gewonnen wird. Außerdem müsse eine realistische Annahme für den Strombedarf im Jahr 2030 getroffen werden, um alle zusätzlichen Bedarfe zu decken.

In seiner Rede kündigte Peter Altmaier zum wiederholten Mal an, den 52-GW-Deckel für Photovoltaik in den nächsten Wochen aufzuheben. Noch im Februar wolle er neben der Aufhebung des Photovoltaik-Förderdeckels eine Lösung der Abstandsfrage für die Windenergie durchsetzen. Für die Branche ist klar: Jetzt müssen rasch konkrete Gesetze folgen, die dem Erneuerbaren-Ausbau wieder eine neue Dynamik verleihen und der Branche und den Beschäftigten in der Erneuerbaren-Branche Planungssicherheit geben.

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock würdigte in ihrer Erwiderung auf den Bundeswirtschaftsminister zunächst die Leistungen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, das vor 20 Jahren in Kraft trat: Die Energiewende sei kein deutscher Sonderweg, sondern international rund 100 mal kopiert worden und ein weltweit erfolgreiches Modell. Mit Blick auf die Klimaziele betonte sie, dass die einzelnen Erneuerbaren Technologien nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Der Mix aller sauberer Technologien wird benötigt, um aus den fossilen Energieträgern in allen Sektoren auszusteigen.

Viel Applaus und Zustimmung erhielt Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Scientist for Future, der die Notwendigkeit zu einem schnelleren Handeln betonte: „Es ärgert mich, dass wir solange über Mindestabstände bei Windkraft reden. Ich wünsche mir Mindestabstände zu planetaren Grenzen. Kohle macht uns alle zu fossilen Passivrauchern. Erneuerbare lassen uns aufatmen - und die Erde auch! Worauf warten wir?"

Poligy als Renewable Energy Newcomer 2020 ausgezeichnet

Im Verlaufe des weiteren Abends fand zudem erneut der Start-up Pitch statt, den der BEE bereits zum fünften Mal ausrichtete und der sich als festes Format des Neujahrsempfangs etabliert hat. Die rund 200 Bewerbungen der Start-ups aus den vergangenen Jahren in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Green Tech haben gezeigt, welche Innovationskraft von der modernen Energiewirtschaft ausgeht. In diesem Jahr hat das junge Unternehmen Poligy, das die Verstromung ungenutzter industrieller Abwärme von Rechenzentren und Fabriken ermöglicht, sowohl Jury als auch Publikum überzeugt und wurde als Newcomer des Jahres 2020 ausgezeichnet. Dabei wird die Verstromung ab 50°C bis 200°C erstmals rentabel. Dazu hat der Co-Founder und Wirtschaftschemiker Martin Huber das Bipolymer entwickelt. Dieser patentierte Kunststoff verformt sich unter Einwirkung von industrieller Abwärme und treibt so Generatoren in Kraftwärmemaschinen an: Aus ungenutzter Industriewärme wird grüner Strom. Ausgerichtet wurde der Pitch von NATURSTROM und dem Bundesverband Erneuerbare Energie.

Vor der dreiköpfigen Jury, bestehend aus Kirsten Sophie Hasberg (Aalborg Universität Kopenhagen), Natalie Gips (Bundesverband Deutsche Start-ups) und Jörg-Uwe Fischer (Deutsche Kreditbank AG) konkurrierten innovative Start-ups aus den verschiedensten Bereichen: Ampeers Energy entwickelt cloud-basierte Softwarelösungen, um die dezentrale Energiewende umzusetzen. CM Fluids produziert generator-elektrische Antriebe, die verflüssigtes Biomethan aus Biogasanlagen als Kraftstoff nutzen für Stadtbusse und andere kommunale Fahrzeuge. OLI SharEnergy entwickelt ein offenes Betriebssystem für die Energiewende auf der Basis von Blockchain und Wind Tuning Systems wollen die Geräusche von Windenergieanlagen über 3D-Design-Serrations reduzieren.

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Dr. Peter Röttgen

Geschäftsführer
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