09.12.2025
News von Klima-Allianz

Warum die Mobilitätswende zum Prüfstein für sozial-gerechte Klimapolitik wird

Die nationale Klimapolitik war im Jahr 2025 geprägt von wachsender Unsicherheit, politischen Neuausrichtungen und der Frage, ob die kommende Bundesregierung entschlossen genug ist, um die Klimaziele zu erreichen.

Schon früh zeigte der Projektionsdatenbericht des Umweltbundesamtes, dass Deutschland seine Emissionsziele für 2030 deutlich verfehlt und vor allem im Verkehrs- und Gebäudesektor weit hinter den Vorgaben zurückliegt. Damit rückte die Forderung nach einem umfassenden Klimaschutzprogramm in den Mittelpunkt, das die neue Bundesregierung noch im ersten Jahr der Legislaturperiode beschließen muss. In den Debatten wurde schnell klar, dass vor allem die Mobilitätspolitik zum entscheidenden Prüfstein für glaubwürdigen Klimaschutz werden wird. 

Gleichzeitig wuchs die Sorge, dass zentrale politische Signale in die falsche Richtung weisen. Der Vorschlag von Union und SPD zur Haushalts- und Finanzplanung blendete die Anforderungen des Klimaschutzes weitgehend aus. Die Klima-Allianz Deutschland forderte deshalb eine Reform der Schuldenbremse, damit notwendige Investitionen in Wärmewende, erneuerbare Energien und klimafreundliche Mobilität überhaupt möglich werden. Der Hinweis, dass allein im Verkehrs- und Gebäudebereich Milliardeninvestitionen nötig sind, um Klimaschutz sozial gerecht zu gestalten, zog sich durch alle öffentlichen Stellungnahmen der Verbände. Ohne zusätzliche Mittel drohen soziale Ungerechtigkeiten, steigende Mobilitätskosten und ein Vertrauensverlust in die politische Führung. 

Der Schwerpunkt auf der Mobilitätswende wurde im Laufe des Jahres immer deutlicher. Im Juni machten Umwelt-, Klima- und Sozialverbände darauf aufmerksam, dass der neue europäische Emissionshandel ETS 2 ab 2027 erhebliche Auswirkungen auf die nationalen Verkehrskosten haben wird. Steigende Preise für Benzin und Diesel treffen Haushalte mit geringem Einkommen besonders stark. Eine Veröffentlichung zu E-Fuels zeigt darüber hinaus, dass diese eben keine Alternative zum Verbrennungsmotor darstellen und sich Haushalte mit unteren und mittleren Einkommen nicht leisten können. Deshalb forderten die Organisationen eine sozial ausgewogene Ausgestaltung des Systems, gezielte Investitionen in Bus und Bahn sowie ein bundesweites Sozialticket. Die Debatte zeigte, dass eine nachhaltige Verkehrswende ohne ein stabiles soziales Fundament kaum Akzeptanz finden wird und dass die Bundesregierung dringend handeln muss, um sowohl Klimaziele als auch soziale Ziele zu erreichen. 

Auch im Wahljahr spielte der Verkehr eine zentrale Rolle. Die Klima-Allianz Deutschland rief die Parteien dazu auf, im Bundestagswahlkampf einen Wettbewerb um die besten und sozial gerechtesten Klimaschutzpläne zu führen. Die Daten einer repräsentativen Umfrage bestätigten, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung den Ausbau klimafreundlicher Mobilität unterstützt und fossile Rückschritte ablehnt. Forderungen nach einer Langfristigkeit des Deutschlandtickets bis 2035, nach Investitionen in moderne Bahninfrastruktur und nach einem klaren Kurs hin zu kleinen und effizienten E-Autos betonten, wie deutlich die Mobilitätsfrage in der öffentlichen Wahrnehmung zur Gerechtigkeitsfrage geworden ist. 

Im Herbst rückte der 4. Deutsche Klimatag den Blick erneut auf die nationale Klimapolitik. Mit Kritik an geplanten Rückschritten der Bundesregierung und einem Drei-Punkte-Fahrplan forderte die Klima-Allianz Deutschland ein starkes Klimaschutzprogramm, das insbesondere den Verkehrssektor in den Mittelpunkt stellt. Die Debatten machten deutlich, dass ohne bessere Bus- und Bahnverbindungen, einen verlässlichen Ausbau des ÖPNV und einen zügigen Abschied von fossilen Verbrennern kein realistischer Pfad zur Klimaneutralität besteht. Mehrere Rednerinnen und Redner wiesen darauf hin, dass Mobilität soziale Teilhabe ermöglicht und dass gerade ländliche Regionen verlässliche öffentliche Angebote brauchen, um nicht abgehängt zu werden. 

Die Bedeutung der Verkehrswende zeigte sich auch in einer Studie von ver.di und der Klima-Allianz Deutschland, die im Dezember veröffentlicht wurde. Sie machte deutlich, dass der öffentliche Personennahverkehr nicht nur an fehlenden Investitionen, sondern vor allem an schwierigen Arbeitsbedingungen im Fahrdienst leidet. Die Analyse zeigte, dass überlange und geteilte Schichten, unbezahlte Pausen und häufig wechselnde Dienstorte zu Personalmangel und Ausfällen beitragen und damit die Qualität des Angebots beeinträchtigen. Die Studie rechnete zudem vor, dass bereits ein moderater finanzieller Aufwuchs ausreichen würde, um die Arbeitsbedingungen spürbar zu verbessern und die Zuverlässigkeit von Bus und Bahn zu erhöhen. Faire Arbeitsbedingungen im Fahrdienst wurden damit als zentrale Voraussetzung für einen stabilen, alltagstauglichen und klimafreundlichen ÖPNV sichtbar, der die Mobilitätswende in Deutschland tragen kann. 

Im Rückblick zeigt das Jahr 2025, dass nationale Klimapolitik vor allem dort an Kontur gewinnt, wo sie die Mobilitätswende ernst nimmt. Die zentralen Debatten drehten sich um die Frage, wie klimafreundliche Mobilität sozial gerecht gestaltet werden kann und wie der Verkehrssektor seine Ziele endlich erreicht. Von der Finanzierung über Infrastruktur bis hin zu Preissteigerungen im Alltag war Mobilität der Bereich, der politische Klarheit am dringendsten benötigte. Die Klima-Allianz Deutschland wird diese Entwicklungen auch im kommenden Jahr begleiten und darauf hinwirken, dass die Bundesregierung Verantwortung übernimmt und einen verlässlichen Rahmen für einen gerechten und wirksamen Klimaschutz in Deutschland schafft. 

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Jonas Becker

Referent Klimapolitik und Mobilität
Klima-Allianz Deutschland

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jonas.becker@klima-allianz.de