Zum Start der Heizperiode zeigt eine neue Kurzstudie der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) im Auftrag der Klima-Allianz Deutschland, wie teuer die fossile Abhängigkeit für die evangelischen Kirchen geworden ist. Ihre jährlichen Ausgaben für Wärme und Strom liegen heute 126 Millionen Euro über dem Niveau vor den geopolitischen Krisen in der Ukraine und im Iran. Betrugen die Energiekosten im Zeitraum von 2010 bis 2020 durchschnittlich rund 203 Millionen Euro pro Jahr, liegen sie der Studie zufolge inzwischen bei 329 Millionen Euro. Allein für Wärme fallen heute 106 Millionen Euro mehr pro Jahr an.
Dr. Benjamin Held, Autor der Studie und Leiter des Arbeitsbereichs Nachhaltige Entwicklung der FEST, erklärt: "Unsere Untersuchung zeigt, wie stark Kirchengemeinden derzeit noch von fossilen Energien abhängig sind: 84 Prozent des Wärmeverbrauchs kirchlicher Gebäude sind direkt auf Gas und Heizöl zurückzuführen. Bezieht man zusätzlich die fossilen Anteile von Strom und Fernwärme ein, liegt der Anteil bei rund 90 Prozent. Diese Abhängigkeit schlägt sich auch deutlich in den Kosten nieder. Seit der Energiepreiskrise 2022 liegen die Ausgaben der Gemeinden für Wärme und Strom nach unseren Schätzungen dauerhaft rund 60 Prozent über dem früheren Niveau. Es spricht vieles dafür, dass zukünftig nicht mit sinkenden, sondern mit weiter steigenden Preisen für fossile Energie zu rechnen ist, unter anderem durch steigende Gasnetzentgelte und CO₂-Preise, die Bio-Treppe sowie weitere geopolitische Krisen. Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist deshalb nicht nur aus Klimaschutzgründen sinnvoll, sondern kann Kirchengemeinden auch langfristig vor dauerhaft hohen Energiekosten schützen."
Viviane Raddatz, Geschäftsführerin Netzwerk und Gesellschaft der Klima-Allianz Deutschland, erklärt: "Deutschland gibt jedes Jahr 80 Milliarden Euro für den Import fossiler Energien aus, in Zeiten geopolitischer Krisen ist es fast das Doppelte. Das Beispiel der evangelischen Kirchen zeigt, welche Kostensteigerungen durch die globalen Krisen der letzten Jahre bei uns entstanden sind. Das muss nicht so bleiben. Der Ausweg aus dieser fossilen Kostenfalle ist die Modernisierung unserer Gebäude und der Umstieg auf heimische erneuerbare Energien. Das ist langfristig günstiger für alle, stärkt die lokale Wirtschaft und macht uns unabhängig von globalen Krisen. Damit dieser Umstieg gelingt, braucht es jetzt verlässliche politische Rahmenbedingungen: Die Bundesregierung sollte die Elektrifizierung und den Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent vorantreiben und zugleich die Stromsteuer senken."
André Witthöft-Mühlmann, Umweltbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Baden, sagt: “Spätestens jetzt ist klar: Wir müssen raus aus der fossilen Abhängigkeit. Beim Heizungstausch setzen wir deshalb auf strombasierte Heizsysteme, häufig in Kombination mit PV-Anlagen und Batteriespeichern. Mit Sorge sehen wir die neuen Rahmenbedingungen für PV-Anlagen, denn sie drohen aus unserer Sicht diese sinnvolle Verbindung von Heizungskeller und Dach unwirtschaftlicher zu machen. So wird der Beitrag der Kirchen zur Energiewende ausgebremst, die Kosten steigen weiter und dann fehlt das Geld zum Beispiel bei der Jugendarbeit. Was wir jetzt brauchen, ist eine Beschleunigung des Umstiegs auf strombasierte und erneuerbare Lösungen. Denn diese Investitionen lohnen sich: für Kirchengemeinden und Haushalte ebenso wie für den Klimaschutz.”
Dr. Sven Rudolph, Klimapolitischer Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der Gliedkirchen der EKD, erklärt: "Viele Kirchengemeinden haben sich längst auf den Weg gemacht und ersetzen alte Öl- und Gasheizungen Schritt für Schritt durch klimafreundliche Lösungen. Doch gerade für kleinere Gemeinden ist die Wärmewende eine erhebliche finanzielle und organisatorische Herausforderung. Damit sie diesen Weg weitergehen können, braucht es verlässliche staatliche Förderung und kompetente Beratung. Die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen bei der Förderung von Wärmepumpen und energetischer Sanierung setzen deshalb das falsche Signal."