Stefanie Langkamp, Politische Geschäftsführung der Klima-Allianz Deutschland, erklärt: "Der anstehende Bericht des Umweltbundesamtes zeigt uns, wo wir heute beim Klimaschutz stehen. Klar ist schon jetzt: Die Bundesregierung muss bis Ende März ein neues Klimaschutzprogramm beschließen, das die Klimaziele einhält. Bisher macht Deutschland zu wenig Klimaschutz, das urteilte selbst das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Ende Januar. Aktuell gehen die Regierungsparteien jedoch in die entgegengesetzte Richtung, wie die Eckpunkte zum Gebäudemodernisierungsgesetz zeigen. Wer beim Heizen künstlich an fossilen Geschäftsmodellen festhält, treibt die Menschen sehenden Auges in eine massive Kostenfalle. Durchschnittlich 173 Euro mehr im Jahr werden die Verbraucher durch die geplante Grüngasquote und den Erhalt von Gasheizungen bezahlen, Tendenz steigend – das zeigt eine neue von der Caritas in Auftrag gegebene Studie. Ein wirksames Klimaschutzprogramm muss umsteuern und Investitionen dorthin lenken, wo sie den Menschen nützen. Ein verlässlicher Ausbau der Erneuerbaren und der Umstieg auf saubere Technologien wie die Wärmepumpe machen uns unabhängig von teuren Importen. So eine echte Energiewende vor Ort sichert lokale Arbeitsplätze und schont dauerhaft den Geldbeutel."
Katja Kipping, Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbandes: "Was als Freiheit im Heizungskeller verkauft wird, kommt uns am Ende teuer zu stehen. Als Wohlfahrtsverband wissen wir, dass gerade vulnerable Gruppen unter den Folgen des Klimawandels, wie Extremtemperaturen, leiden. Insofern ist Klimaschutz eine zutiefst soziale Frage. Die Eckpunkte der Regierungsfraktionen sind nicht nur unökologisch, sie sind auch unsozial: Wenn beim Austausch der Heizung auf fossile Lösungen gesetzt wird, sind damit höhere Energiekosten in der Zukunft für Jahrzehnte vorgeschrieben. Neue Heizungen sollten überwiegend mit Erneuerbaren Energien laufen. Dazu braucht es eine verlässliche, langfristige und sozial gestaffelte Förderung. Wenn beim Heizungstausch einmal die Weichen falsch gestellt werden, bleibt in der Zukunft nur das Frieren, um bei den Heizkosten zu sparen."
Anne Schluck, Ärztin und Vorstandsmitglied der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG): "Ein Klimaschutzprogramm ist nicht nur eine Frage von abstrakten Zielen und Zahlen – es geht um den aktiven Schutz unserer Gesundheit. Wenn die Bundesregierung hier nicht nachbessert, setzt sie uns im Alltag vermeidbaren Belastungen aus: Von immer heißeren Sommern, unter denen gerade Ältere, Kranke und Kinder leiden, bis hin zu schlechter Luft durch zu viele Abgase. Wir brauchen stattdessen ein Klimaschutzprogramm, das unser Leben gesünder macht: Wer den öffentlichen Nahverkehr verlässlich und bezahlbar ausbaut, sorgt direkt für saubere Atemluft in unseren Straßen. Wer Hitzeschutzpläne in unseren Städten und Gemeinden ermöglicht, macht unseren Alltag spürbar lebenswerter und schützt Leben. So ist Klimaschutz ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft."
Hintergrund:
- Mit dem Projektionsdatenbericht berechnet das Umweltbundesamt, ob die Klimaziele basierend auf beschlossenen und geplanten Maßnahmen eingehalten werden können. Im Bundes-Klimaschutzgesetz ist im § 5a festgelegt, dass der Bericht vorgelegt werden muss.
- Im Projektionsdatenbericht 2025 wurde eine deutliche Verfehlung der Klimaneutralität bis 2045 berechnet: Zu diesem Zeitpunkt werden über 200 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente emittiert.
- Daten und Annahmen im Projektionsdatenbericht berücksichtigen keine unvorhergesehenen oder kurzfristigen politischen Änderungen wie z. B. die neuen Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes. Sie sind methodisch nicht oder nur begrenzt integrierbar. (Projektionsdatenbericht 2025, S. 32)
- Bis zum 15. Mai 2026 überprüft der Expertenrat für Klimafragen die Berechnungen des Umweltbundesamtes. Verstößt die Bundesregierung in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gegen die Klimaziele, muss sie nachsteuern.
- Unabhängig davon die die Bundesregierung nach § 9 Klimaschutzgesetz verpflichtet, bis zum 25.3.2026 ein neues Klimaschutzprogramm zu beschließen, das die Klimaziele bis 2030 und 2040 einhält.
- Ein bekanntgewordener Entwurf zum Klimaschutzprogramm verdeutlicht, dass die bisher geplanten Maßnahmen nicht ausreichen.