Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende: "Gute Arbeitsbedingungen für Fahrerinnen und Fahrer sind unverzichtbar, um Personalengpässe zu überwinden, Krankenstände zu senken und die Attraktivität des Berufs zu sichern. Die neue Studie liefert Vorschläge, wie spürbare Verbesserungen zu erreichen sind – und den Beleg, dass die Mehrkosten dafür bezahlbar sind. Wir brauchen eine nachhaltige Finanzierungsstruktur für den öffentlichen Perso-nennahverkehr in Deutschland, um Mobilität für alle zu sichern."
Stefanie Langkamp, Geschäftsleitung Politik bei der Klima-Allianz Deutschland: "Busse und Bahnen gehören für Millionen Menschen zum Alltag – doch sie fahren nur, wenn die Menschen am Steuer gute Arbeitsbedingungen haben. Mit gerade einmal sieben Prozent zusätzlichen Mitteln könnte die Politik die Zuverlässigkeit und Qualität des ÖPNV spürbar erhöhen. Faire Arbeitsbedingungen, weniger Ausfälle, mehr Vertrauen: Ein verlässlicher, sicherer und attraktiver ÖPNV ist möglich – und er beginnt bei fairen Arbeitsbedingungen für das Fahrpersonal. Gute Arbeit ist der schnellste Hebel für gute Mobilität und echten Klimaschutz."
Die Studie berechnet konkret, welche Mittel notwendig wären, um ein zukunftsfähiges ÖPNV-Angebot mit besseren Arbeitsbedingungen und mehr Personal aufzubauen, und präsentiert Vorschläge, wie die Beschäftigten entlastet werden können: Maßnahmen wie eine Begrenzung unbezahlter Pausen, Schichtbeginn und -ende am selben Ort, ausreichende Ruhezeiten oder eine verkürzte Arbeitswoche verbessern die Attraktivität des Berufs. Mit dadurch sinkenden Krankenständen könnten Kosten von bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich eingespart werden. Insgesamt erfordern die vorgeschlagenen Verbesserungen rund sieben Prozent zusätzliche Mittel im Verhältnis zum heutigen ÖPNV-Gesamtbudget: Das entspricht in absoluten Zahlen 1,76 Milliarden Euro bei Gesamtausgaben von fast 24 Milliarden Euro pro Jahr.
ver.di und Klima-Allianz Deutschland fordern die Politik auf, die Finanzierung des ÖPNV so auszugestalten, dass faire Arbeitsbedingungen und Dienstplanungen gewährleistet werden können. Maßnahmen wie ein gerechter Pau-senabzug oder die Abschaffung geteilter Dienste verursachen nur geringe Mehrkosten, verbessern aber die Personalsituation erheblich, erhalten die Gesundheit der Beschäftigten und sichern so die Qualität des ÖPNV-Angebots langfristig ab. Dies ist umso dringlicher, als bis zum Jahr 2035 rund 70 Prozent des jetzigen Fahrpersonals das Rentenalter erreichen oder den Beruf aus anderen Gründen verlassen wird.
Ein wichtiger erster Schritt wäre ein ÖPNV-Gipfel, der Politik, Branche und Zivilgesellschaft an einen Tisch bringt.
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Hintergrund:
KCW ist eine führende Strategie- und Managementberatung im Bereich des straßen- und schienengebundenen öffentlichen Verkehrs in Deutschland. Zu ihren Kundinnen und Kunden zählen insbesondere Kommunen, Verkehrsverbünde und Ministerien. Diese unterstützt KCW unter anderem dabei, den Umweltverbund zu stärken und die Verkehrswende voranzubringen.
Die Klima-Allianz Deutschland ist das breite gesellschaftliche Bündnis für den Klimaschutz. Mit über 150 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Umwelt, Kirche und weitere religiöse Gemeinschaften, Entwicklung, Bildung, Kultur, Gesundheit, Verbraucherschutz, Jugend, Soziales und Gewerkschaften setzt sie sich für eine ambitionierte und sozial gerechte Klimapolitik auf lokaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene ein. Hinter ihren Mitgliedsorganisationen stehen rund 32 Millionen Einzelmitglieder.
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ist die zweitgrößte Einzelge-werkschaft in Deutschland und vertritt die Interessen von rund 1,9 Millionen Mitgliedern in verschiedenen Branchen und Bereichen und über 1.000 Berufen.