Viviane Raddatz, Klimachefin beim WWF Deutschland kommentiert: „Die politische Ableitung und die Schlüsse, die Ministerin Reiche aus den Ergebnissen des Monitorings zieht, sind verkürzt. Fakt ist: Aus der Klimakrise können wir nur entkommen, wenn wir die CO2-Emissionen schnell umfassend reduzieren. Das gelingt nur mit dem Ausstieg aus fossilen Energien wie Kohle und Gas und dem Ausbau der Erneuerbaren. Sie müssen künftig alle Sektoren mit sauberem Strom versorgen. Dafür brauchen wir deutlich mehr Erneuerbaren-Kapazitäten – und daran ändert auch die viel zu langsame Elektrifizierung etwa des Gebäude- und Verkehrssektors nichts, das hat auch das Gutachten bestätigt. Die Lösung dafür liegt nicht im Drosseln der Erneuerbaren, sondern im Hochfahren von Elektrifizierungstechnologien wie E-Mobilität und Wärmepumpen“.
Auch BEE-Präsidentin Dr. Simone Peter betonte, dass die Energiewende weiterhin ambitioniert umgesetzt werden muss: “Die Gutachter und Bundeswirtschaftsministerin Reiche unterstrichen bei der Vorstellung ausdrücklich das Festhalten an den Klimazielen, am Erneuerbaren-Ausbauziel von 80 Prozent bis 2030 und an einem ambitionierten Netzausbau.“ Sie appelliert daher: „Der Ausbau der Erneuerbaren muss also unvermindert weitergehen. Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie der weiteren Umsetzung der Energiewende."
Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) warnt vor außerdem vor Verunsicherung durch die Aussagen aus Berlin. „Allein durch regulatorische Änderungen bei den Stromnetzen, können die Kosten für den Netzausbau reduziert werden, und mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen durch weniger Netz geleitet werden. Dies muss aus Effizienzgründen Priorität haben“, betont LEE NRW-Geschäftsführer Christian Vossler. Kritisch bewertet er zudem die Rolle von Erdgas und CCS: Es dürfe nicht passieren, dass die Idee von CCS die Klimaschutzbemühungen der Wirtschaft konterkariert. Bei Gaskraftwerken helfe CCS nur, wenn die Kraftwerke lange laufen. Dies wird zukünftig nicht der Fall sein.
Auch Germanwatch ermahnt weiterhin zum ambitionierten Ausbau der Erneuerbaren sowie von Elektrifizierung und Flexibilitäten, aber nicht für ein Ausbremsen der Energiewende: „Statt der von Wirtschaftsministerin Reiche geforderten Zeitenwende in der Energiepolitik brauchen wir ein entschlossenes Management der tatsächlichen Herausforderungen“, so Christoph Bals, Politik-Vorstand bei Germanwatch. „Ein Zick-Zack-Kurs, wie ihn die Wirtschaftsministerin mit ihren Rufen nach einer Zeitenwende heraufbeschwört, verunsichert hingegen Unternehmen und Investoren. Das schadet dem Erfolgsprojekt Energiewende genauso wie dem Standort Deutschland“, ordnet Bals ein.
Tina Löffelsend, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) krisiert ebenfalls den riskanten Vorschlag:„Mit dem Monitoring leitet Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) eine neue Phase der Verunsicherung für die Energiewende ein“. Die Wirtschaftsministerin würde auf klimafeindliche Gaskraftwerke und teure, riskante Technologien wie CCS selbst an Kraftwerken setzen. Stattdessen schlägt Löffelsend vor: „Frau Reiche muss eine umfassende Flexibilitätsagenda vorlegen. Das würde dann auch einen guten Teil der von ihr geplanten neuen Kraftwerke verzichtbar machen“