Im November 2021 sah es so aus, als sei das Ende der Kohle in Sicht. Auf der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow einigten sich die Regierungen von 197 Ländern auf einen Ausstieg aus der Kohleverbrennung. Gleichzeitig verpflichteten sich viele der größten Geschäftsbanken der Welt, ihre Portfolios von fossilen Brennstoffen zu befreien. Katrin Ganswindt, Leiterin der urgewald-Finanzrecherche, sagt: „Wir hatten gehofft, nach Glasgow einen konstanten Abwärtstrend zu sehen. Unsere Daten zeigen, dass die Kohlefinanzierung zwar von 132 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 123 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 zurückging. Im vergangenen Jahr stieg sie jedoch wieder auf 130 Milliarden US-Dollar an. Es ist, als hätte es Glasgow nie gegeben.“
Countdown für die Kohlefinanzierung bis 2030
Planungen für neue Kohlekraftwerke werden zunehmend unattraktiv, da erneuerbare Energieträger, insbesondere die Solarenergie, in fast allen Ländern der Welt inzwischen die günstigste Option für die Stromerzeugung sind. Im Jahr 2024 machten Solar- und Windenergie bereits 90 Prozent des weltweiten Kapazitätswachstums aus. Während die Anzahl neu geplanter Kohleprojekte rasant schrumpft, hat der weltweite Bestand an Kohlekraftwerken immer noch eine Kapazität von mehr als 2.100 Gigawatt (GW). Dessen anhaltende CO2-Emissionen treiben uns immer näher heran an katastrophale Klimakipppunkte.
Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt in ihrem jüngsten Dekarbonisierungsbericht, dass die Kohlenutzung in entwickelten Volkswirtschaften bis 2030 und weltweit bis 2040 beendet werden muss. Obwohl bis dahin kaum noch Zeit bleibt, haben nur 24 der 99 weltweit größten Geschäftsbanken Pläne, um ihre Kohlefinanzierung bis dahin einzustellen. „Die Kohleparty ist vorbei, doch die meisten Banken weigern sich, nach Hause zu gehen“, kommentiert Ganswindt.
Analyse zu deutschen Banken
Neben einer umfassenden Analyse in welchen Ländern und Weltregionen die Banken weiterhin den Kohleabbau finanzieren, wurde auch ein Blick auf Deutschland geworfen. Wie die Recherche zeigt, fallen insbesondere die Deutsche Bank und die Commerzbank negativ auf: Die Deutsche Bank erhöhte ihr Finanzvolumen für den Sektor zwischen 2022 und 2023 zunächst um 75 Prozent von 393 auf 689 Millionen US-Dollar, anschließend erneut um 43 Prozent auf 987 Millionen US-Dollar im Jahr 2024. Die Commerzbank reduzierte zunächst ihre Kohlefinanzierung von 213 Millionen US-Dollar im Jahr 2022 auf 191 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 – um sie im Anschluss deutlich bis 2024 zu erhöhen, um 118 Prozent auf 417 Millionen US-Dollar.
Nachdem die meisten deutschen Landesbanken ihre Kohlefinanzierung in den vergangenen drei Jahren teils deutlich reduziert, oder aber zuletzt keinerlei Gelder mehr für den Sektor zur Verfügung gestellt haben, unterstützte nur noch die BayernLB den Sektor zuletzt mit zweistelligen Millionensummen; im Jahr 2024 lag ihr Kohlefinanzvolumen bei 47 Millionen US-Dollar. Darüber hinaus unterstützt auch die DZ Bank, Zentralbank der deutschen Genossenschaftsbanken, den Kohlesektor noch mit größeren Summen und hat ihr Volumen zuletzt leicht gesteigert, um 24 Prozent von 59 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 auf 73 Millionen US-Dollar im Jahr 2024.
Philipp Noack, Finanz-Campaigner für den deutschen Bankensektor, kommentiert: „Der deutsche Bankensektor zeigt beim Thema Kohle ein zweigeteiltes Bild: Auf der einen Seite stehen die großen Privatbanken Deutsche Bank und Commerzbank, in kleinerem Umfang auch die genossenschaftliche DZ Bank, die den Sektor weiterhin stark finanzieren. Auf der anderen Seite ist ein klarer Rückzug der deutschen Landesbanken zu erkennen, mit Ausnahme der BayernLB. Während die BayernLB intensiv versucht ihrem Tochterunternehmen DKB mit Werbekampagnen ein grünes Image zu verpassen, droht sie mit Kohlegeschäften ihre klimabewusste, junge Zielgruppe zu vergraulen.“
Katrin Ganswindt sagt abschließend: „Unsere Ergebnisse sind ein Aufruf zum Handeln für Vermögensverwalter, die Finanzaufsicht und zivilgesellschaftliche Organisationen gleichermaßen. Für all jene, die verstehen, dass die Kohlefinanzierung unsere Wirtschaft, das Finanzsystem und am Ende uns alle in höchste Gefahr bringt. Vermögensverwalter müssen ihre Investitionen in solche Banken überdenken, die die Kohle am Leben erhalten. Regulierungsbehörden müssen Finanzströme in Kohle einschränken, da sie systemische Risiken erhöhen. Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen jede einzelne Bank anprangern, die unsere Zukunft durch Kohlegeschäfte im Würgegriff hält.“
Sämtliche Ergebnisse: www.stillbankingoncoal.org
Eine Bericht zur Deutschen Bank wurde von urgewald hier veröffentlich: Deutsche Bank: Fossile Leidenschaft