Hitze gehört nach wie vor zu den unterschätzten Gesundheitsgefahren. Insbesondere für ältere und pflegebedürftige Menschen stellt sie ein erhebliches Risiko dar. Vor dem Hintergrund der immer häufiger auftretenden und länger anhaltenden Hitzeperioden fordert das Aktionsbündnis Hitzeschutz Berlin deshalb, pflegebedürftige Menschen besser vor Hitze zu schützen und die Hitzeschutzmaßnahmen im Gesundheits- und Pflegesystem auszubauen. Denn ältere und pflegebedürftige Menschen hätten nicht selten ein vermindertes Durstgefühl, sodass diese Personengruppen besonders gefährdet seien zu dehydrieren. Hinzu komme, dass Hitze bestehende und gesundheitliche Einschränkungen pflegebedürftiger Menschen zusätzlich verschlechtern kann. Das Berliner Gesundheitssystem müsse sich auf diese Herausforderungen einstellen. Denn fast 240.000 Berlinerinnen und Berliner (rund 6,3 Prozent der Bevölkerung) seien 80 Jahre oder älter, 212.000 Menschen in der Stadt (etwa 5,6 Prozent der Bevölkerung) seien pflegebedürftig.
Über die Bedeutung des Hitzeschutzes für diese vulnerable Gruppe und ganz praktische Maßnahmen haben sich die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, die Ärztekammer Berlin und die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. als Gründungsmitglieder des Aktionsbündnisses Hitzeschutz Berlin heute anlässlich des bevorstehenden Hitzeaktionstages (am 11. Juni) im Seniorenheim „Dr. Victor Aronstein“ der Paritätischen Seniorenwohnen gGmbH im Bezirk Lichtenberg informiert. Die Einrichtung engagiert sich seit Jahren im Hitzeschutz und hat einen Maßnahmenkatalog für Hitzewellen entwickelt. Dazu gehören bauliche Anpassungen im Innenraum, an der Gebäudehülle und in den Außenanlagen (z.B. Sonnenschutzsegel und grüne und kühle Pausenoasen). Zudem wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt im Umgang mit hohen Temperaturen und Hitzewellen geschult.
Darüber hinaus wurden die aktuellen Schwerpunkte und Aktivitäten des Aktionsbündnisses dargestellt, einschließlich der Mitwirkung bei der Erarbeitung und Umsetzung des landesweiten Hitzeaktionsplans im Gesundheits- und Pflegewesen sowie der öffentlichen Kommunikation zum Hitzeschutz in Berlin.
Max Bürck-Gemassmer, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG): „Um Berlin hitzeresilienter zu machen, haben die Ärztekammer Berlin, die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege und die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit im Jahr 2022 das Aktionsbündnis Hitzeschutz Berlin gegründet. Wichtig war uns, nicht nur Pläne zu erstellen, sondern gleichzeitig auch viele Akteure zusammenzubringen und wirksame Maßnahmen anzuschieben, welche die Berliner Bevölkerung vor drohender extremer Hitze schützen. Davon ist uns vieles gelungen. Eine wichtige Rolle spielen dabei als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen die Pflegekräfte, weil sie sich um besonders stark von Hitze gefährdete Menschen kümmern.“
Jana Spieckermann, Geschäftsführerin der PARITÄTISCHES Seniorenwohnen gGmbH: „Bei pflegebedürftigen Senior:innen müssen wir besonders aufmerksam sein, damit hohe Temperaturen nicht zu Dehydrierung, Kreislaufzusammenbrüchen oder anderen akuten gesundheitlichen Notfällen führen. Daher muss Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen fester Bestandteil des Alltags sein. Das setzen wir um – mit angepassten Betreuungsangeboten, kühlen Rückzugsorten, Getränkestützpunkten, Lüftungskonzepten und weiteren Maßnahmen zum Schutz von Bewohner:innen und Mitarbeitenden. Gute Prävention beginnt lange bevor der Rettungswagen kommen muss. Das gilt überall, auch für Kitas und andere unserer Einrichtungen.“
Torsten Wischnewski, stellvertretender Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin: „Als Paritätischer Wohlfahrtsverband ist uns der Hitzeschutz vulnerabler Gruppen – wie älterer und pflegebedürftiger Menschen – besonders wichtig. Daher unterstützen wir das Aktionsbündnis Hitzeschutz Berlin von Beginn an aktiv. Viele unserer Pflegeeinrichtungen und -dienste haben Hitzeschutzpläne bereits frühzeitig implementiert und evaluiert. So können sie angemessen auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren und sowohl ihre Mitarbeitenden als auch die pflegebedürftigen Menschen bestmöglich schützen.“