17.06.2024
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Verbände und NGOs ziehen ernüchterndes Fazit: Zu kleine Fortschritte bei den Bonner Klimaverhandlungen

Trotz intensiver Diskussionen konnten bei den UN-Klimaverhandlungen in Bonn nur geringe Fortschritte verzeichnet werden. Insbesondere bei der Klimafinanzierung für Länder des globalen Südens. Positiv wird jedoch die Einigung zum Globalen Ziel für Klimaanpassung gewertet.

Das Bild zeigt ein Panorama der Stadt Bonn.
Foto: Andrey X. via Canva Pro

Zum Abschluss der UN-Klimakonferenz in Bonn kann ein ernüchterndes Fazit gezogen werden. „Die Zwischenverhandlungen zur Vorbereitung der Weltklimakonferenz im November in Aserbaidschan sind in den wichtigsten Punkten nicht vorangekommen“, resümiert unter anderem Viviane Raddatz, Klimachefin beim WWF Deutschland. „Damit läuft die Staatengemeinschaft Gefahr, dass auch bei der COP29 in Baku die so dringend benötigten klaren Beschlüsse zur Eindämmung der Klimakrise verpasst werden.“

Zwar seien auch Fortschritte bei der neuen Zielsetzung der Klimafinanzierung nach 2025 gemacht worden, diese reichen aber nicht aus, um in Baku zu einem tragfähigen Ergebniss zu kommen. Das „Spiel mit den verdeckten Karten“ werde dem Bedarf der Ärmsten und Betroffensten im globalen Süden nicht gerecht.
Laura Schäfer, Co-Leiterin des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch: „Die armen Staaten des globalen Südens brauchen ein ambitioniertes Unterstützungspaket für Klimaschutz, Klimaanpassung und Umgang mit den Folgen der Klimakrise. Im Zentrum steht das neue internationale Klimafinanzierungsziel, das für die Zeit nach 2025 gelten soll.“

Die Industrieländer hatten sich eigentlich verpflichtet, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Euro zur Unterstützung ärmerer und von der Klimakrise besonders stark betroffener Länder bereitzustellen – nach neuesten OECD-Zahlen wurde diese Summe aber erst 2022 erstmalig erreicht. In der Erarbeitung des neuen Finanzziels sollten auch Qualität, Zugang und Transparenz der Finanzierung verbessert werden, um Planbarkeit für die Entwicklungsländer zu schaffen. „In diesem Jahr müssen alle Länder neue nationale Klimapläne im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen vorbereiten. Es ist unabdingbar, dass ärmere Länder Gewissheit zur Finanzierung und Umsetzung ihrer Klimapläne bekommen. In Bonn ist es den Industriestaaten abermals nicht gelungen, hier klare Signale zu geben“, so Raddatz.

Auch Marlene Achoki vom CARE-Climate Justice Center betont, wie wichtig die nächsten Verhandlungen vor der UN-Klimakonferenz in Baku sind: „Die Anpassungsmaßnahmen und Unterstützung sind für Länder des globalen Südens angesichts der verheerenden Klimaauswirkungen von entscheidender Bedeutung. Auf dem Weg zur COP29 in Baku ist es wichtig, dass ein klarer Fahrplan entsteht, um Fortschritte bei den Anpassungsmaßnahmen zu gewährleisten und um die Finanzierung zu sichern. Die gefährdeten Länder benötigen dringend Unterstützung bei der Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen und dem Aufbau von Resilienz. Es ist keine Zeit für leere Worthülsen.“ 

Immerhin konnten in Bonn neue Ergebnisse zum Globalen Ziel für Klimaanpassung gesammelt werden, die gemeinhin als positiv gewerten wurden. Auf der Basis der Ergebnisse können Indikatoren erarbeitet werden, die die Fortschritte beim Erreichen des Ziels messbar machen.

Die Verhandlungen haben auch die Vorreiterrolle der EU betont. Der Europäische Green Deal steht nun in der Verantwortung sozial gerecht und solidarisch weiterentwickelt und ehrgeizig umgesetzt zu werden, findet Petter Lydén, Co-Bereichsleiter für Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. Auch beim G7-Gipfel in Italien muss die internationale Klimapolitik vorangetrieben werden.

 

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Laura Simanjuntak

Mitarbeiterin Veranstaltungen und Netzwerkarbeit
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​​​​​​​laura.simanjuntak@klima-allianz.de​​​​​​​