28.02.2022

IPCC-Bericht ist Handlungsauftrag für Bundesregierung und G7

Der Weltklimarat IPCC hat heute den zweiten Teil seines 6. Sachstandsberichts veröffentlicht, in dem es um die Folgen des Klimawandels, Anpassung und Verwundbarkeit geht. Der Bericht zeigt, welche dramatischen Auswirkungen die Klimakrise auf Ökosysteme, die biologische Vielfalt, Menschen und Gesellschaften bereits heute hat. Die Klima-Allianz Deutschland, ein Bündnis aus über 140 zivilgesellschaftlichen Organisationen, ruft die Bundesregierung zu entschiedenerem Handeln auf.

Dazu erklärt Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführende Vorständin der Klima-Allianz Deutschland:
„Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Folgen des Klimawandels machen unmissverständlich deutlich: Der Weg in eine lebenswerte Zukunft ist, schnell die Treibhausgasemissionen zu senken, die Ökosysteme zu schützen und wiederherzustellen. Wir fordern die Bundesregierung auf, die diesjährige G7-Präsidentschaft dafür zu nutzen, dass sich alle G7-Staaten auf dem Gipfel verpflichten, die Stromerzeugung aus Kohle, Öl und Gas bis 2035 zu beenden. Die G7-Staaten sind in der Pflicht, fossile Subventionen klar zu definieren und abzubauen. Zusätzlich zu wirksamen Minderungsmaßnahmen muss die Bundesregierung ein Klimaanpassungsgesetz auf den Weg bringen, das Menschen und Regionen bei der Bewältigung von klimabedingten Extremwetterereignissen unterstützt. Die verheerenden Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben gezeigt, dass der Klimawandel uns alle trifft.”


Lutz Weischer, Leiter der Berliner Büros von Germanwatch, Mitglied der Klima-Allianz Deutschland:
„Der Bericht zeigt, dass wir uns mitten in einer ernsten weltweiten Krise befinden, die die Ärmsten auf dem Planeten am härtesten trifft. Eine Schlussfolgerung aus diesem Warnruf muss sein, dass reiche Länder wie Deutschland in einem ganz anderen Maßstab als bisher Finanzmittel für Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen in den armen Ländern bereitstellen. Nicht einmal der noch von der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel zugesagte jährliche Betrag von sechs Milliarden Euro ab 2025 ist bislang in der Haushaltsplanung abgesichert. Wir fordern einen Aufwuchs auf jährlich mindestens acht Milliarden Euro Haushaltsmittel für Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern. Hinzukommen müssen weitere Mittel für den Umgang mit Verlusten und Schäden, wo keine Anpassung mehr möglich ist. Klimafinanzierung und ein angemessener Umgang mit Verlusten und Schäden gehören zentral auf die Tagesordnung des G7-Gipfels.”


Anika Schroeder, Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR, Mitglied der Klima-Allianz Deutschland:
„Es kommt auf jedes Zehntelgrad an. Je eher wir die Erderhitzung stoppen, desto besser können wir uns an die Folgen anpassen. Insbesondere die Verwundbarsten in den Entwicklungsländern haben damit mehr Zeit und Möglichkeiten, sich auf die Klimakrise vorzubereiten und sich an die Folgen anzupassen. Doch schon heute sind vielerorts die Grenzen der Anpassung überschritten. Schäden, etwa an Häusern durch zunehmend starke Taifune, und langfristige Verluste, etwa von Land durch den Anstieg des Meeresspiegels, können auch bei bester Anpassung oft nicht mehr verhindert werden. Deutschland muss sich daher dringend zu seiner Verantwortung bekennen und jene 140 Entwicklungsländer unterstützen, die in Glasgow die Einrichtung eines Fonds für den Umgang mit Verlusten und Schäden forderten. Wir appellieren an die Bundesregierung, sich im Rahmen des ‘Glasgow Dialogs zu Verlusten und Schäden’ bei der COP27 in Ägypten für konkrete finanzielle Unterstützung vulnerabler Länder durch die Industriestaaten einzusetzen.” 

 

Hintergrund:
Nach Veröffentlichung des 5. Sachstandsberichts im Jahr 2014 ist der 6. Sachstandsbericht des IPCC die aktuellste und umfassendste Publikation zum Stand der Klimaforschung. Der erste Teilbericht zu physikalischen Ursachen und Ausmaß des menschengemachten Klimawandels erschien im August 2021. Anfang April 2022 folgt der letzte Teilbericht von Arbeitsgruppe III zur Minderung der Treibhausgasemissionen. Später im Jahr wird ein zusammenfassender Bericht veröffentlicht.

Die zugehörige Pressemitteilung der Klima-Allianz Deutschland zum WG I-Bericht finden Sie hier.

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Julia Dittmann

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
julia.dittmann@klima-allianz.de
Telefon: 030/780 899 514