06.2026
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Policy Brief: Zu viel Geld für unwirtschaftliche Autobahnprojekte

Für die Verkehrswende gilt politisch eigentlich das Prinzip „Erhalt vor Neubau“ – in der Haushaltsrealität fließen jedoch weiterhin Milliarden in neue, unwirtschaftliche Fernstraßen. Ein neuer Policy Brief des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), der im Auftrag des BUND, des ACE Auto Club Europa und der Klima-Allianz Deutschland erstellt wurde, zeigt, dass der starre Fokus auf den Straßenneubau dringend benötigte personelle und finanzielle Kapazitäten blockiert. Die Untersuchung macht deutlich, dass die offizielle Infrastrukturplanung auf veralteten Annahmen beruht und die Kosten maroder Brücken und Straßen das Gesamtsystem zunehmend belasten.

Der Policy Brief gibt einen Überblick über die Fehlallokationen im deutschen Fernstraßenbau. Analysiert wurden die methodischen Mängel offizieller Nutzen-Kosten-Analysen, die unterschätzten Folgen der Baupreisinflation sowie die Kapazitätsengpässe im Planungs- und Bauwesen. Die Untersuchung basiert auf der Auswertung aktueller Projektdaten, wissenschaftlicher Szenarien und den realen Kostenentwicklungen der Verkehrsinfrastruktur.

Die Analyse zeigt mehrere konkrete Hebel auf, mit denen Politik und Verwaltung die Bundesverkehrswegeplanung effizienter, wirtschaftlicher und zukunftsfähiger gestalten können:

  • Konsequente Projektstreichungen und Moratorien für nachweislich unwirtschaftliche Autobahn-Neubauten, um rund 20 Milliarden Euro an Bundesmitteln freizusetzen.
  • Strikte Priorisierung von Erhalt und Sanierung, um die verkehrliche Zuverlässigkeit im Alltag zu sichern und die akute „Bugwelle“ maroder Brücken abzuarbeiten.
  • Bedarfsgerechte Steuerung der Bau- und Planungskapazitäten, um Verdrängungseffekte zulasten des Schienenverkehrs und des kommunalen Tiefbaus zu verhindern.
  • Einführung transparenter Wirtschaftlichkeitsprüfungen und gesetzlicher Veröffentlichungspflichten für alle Kosten-Nutzen-Analysen der Verkehrswegeplanung.

Insbesondere vor dem Hintergrund knapper Kassen und der notwendigen Erreichung der Klimaziele darf wertvolle Planungsenergie nicht in naturzerstörenden Projekten versickern. Die Empfehlungen des Policy Briefs verdeutlichen, dass eine Abkehr von der bloßen Fortschreibung alter Prognosen entscheidend ist, um die begrenzten Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo sie den größten gesellschaftlichen Nutzen stiften: in einem verlässlichen Bestandsnetz und einer modernen, klimafreundlichen Schieneninfrastruktur.

 

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Jonas Becker

Referent Klimapolitik und Mobilität
Klima-Allianz Deutschland

030/780 899 527
jonas.becker@klima-allianz.de