In Uttar Pradesh wird vor allem Reis angebaut, in Kerala und dem benachbarten Tamil Nadu unter anderem tropische Früchte und Gewürze. Beides sind Regionen mit besonders hohem Wasserrisiko, in denen die erweiterten Anforderungen der Naturland-Wasserrichtlinie zur Anwendung kommen. Naturland-Betriebe in solchen Regionen müssen u. a. einen Wassermanagementplan erstellen. Neben der Überwachung des Wasserverbrauchs gehört dazu die Analyse möglicher Wasserrisiken sowie Maßnahmen zu deren Reduzierung. Wie das in der Praxis funktioniert, darum ging es bei den beiden zweitägigen Workshops, an denen auch Expert:innen von Bio Suisse und Caritas Indien mitwirkten.
Teilnehmende waren jeweils bis zu 30 Bäuerinnen und Bauern von indischen Naturland-Kooperativen. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem der gegenseitige Wissensaustausch über regional angepasste Verfahren für den Wasser- und Bodenschutz. Solche Verfahren sind etwa Kompostwirtschaft und Humusaufbau für eine erhöhte Wasserspeicherfähigkeit des Bodens, Erosionsschutz durch Bodenbedeckung oder eine verbesserte Wassernutzung durch Landschaftsgestaltung, das sogenannte Keyline-Design. Bei gemeinsamen Feldbesuchen wurde auch die praktische Umsetzung solcher Methoden besichtigt.
Herausforderungen gemeinsam begegnen
Organisiert wurden die Workshops von Naturland-Wasserexpertin Lea Moog in Zusammenarbeit mit Dr. Thomas Jacob, Manager der Kleinbauernkooperative PDS Organic Spices und Mitglied im Naturland World Advisory Board. „Der Klimawandel und seine Folgen sind eine weltweite Herausforderung, der wir nur gemeinsam begegnen können. Naturland ist eine weltweite Gemeinschaft von Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern, die sich dafür einsetzen, jeden einzelnen Tropfen Wasser für die Erhaltung des Lebens auf der Erde zu retten“, betont Dr. Jacob.
„Standards und Zertifizierungen sind ein wichtiges Instrument, um die sorgsame Nutzung der wertvollen Ressource Wasser sicherzustellen. Mindestens ebenso wichtig sind aber Fortbildungen und der gegenseitige Austausch von Wissen und Erfahrung“, ergänzt Lea Moog, die die beiden Workshops in Indien geleitet hat: „Mit Schulungen vor Ort und Online-Angeboten schafft Naturland eine Plattform für diesen Wissensaustausch und unterstützt so die Betriebe auf ihrem Weg zu einem nachhaltigeren Wassermanagement.“
Enge Wasser-Kooperation mit Bio Suisse
An dem Workshop in Nordindien wirkte auch eine Wasser-Expertin von Bio Suisse mit. Die beiden Verbände leisten seit Jahren gemeinsam Pionierarbeit in diesem Bereich und haben als erste jeweils eigene Richtlinien zur nachhaltigen Wassernutzung beschlossen. 2021 wurden die beiden Richtlinien angeglichen und ein gemeinsamer Wassermanagementplan für zertifizierte Betriebe in Regionen mit knappen Wasserressourcen zur Verfügung gestellt.
Künftig arbeiten Naturland und Bio Suisse nun auch bei Kontrolle und Zertifizierung enger zusammen, um die Betriebe zu entlasten. Auf der BIOFACH 2025 in Nürnberg unterzeichneten Bio Suisse-Präsident Urs Brändli und Naturland-Geschäftsführer Steffen Reese dafür eine Vereinbarung über die gegenseitige Anerkennung der Zertifizierung im Bereich Wassermanagement.