23.03.2023
News von Mitgliedern

IPCC-Bericht: Mitglieder der Klima-Allianz Deutschland fordern Politik zum Handeln auf

Der Weltklimarat (IPCC) hat am Montag seinen neuen Synthesebericht zur Klimakrise veröffentlicht – die aktuelle und umfassendste Publikation zum Stand der Klimaforschung. Der Bericht fasst zusammen, welche dramatischen Ausmaße die Klimakrise bereits heute annimmt und zeigt auf, wie die Menschheit die schlimmsten Folgen noch abwenden kann. Diverse Mitgliedsorganisationen der Klima-Allianz Deutschland reagieren mit deutlichen Appellen an die Politik.

Misereor-Klimaexpertin Anika Schroeder mahnt die Einhaltung der planetaren Grenzen und Deutschlands Verantwortung in Bezug auf Klimagerechtigkeit an: „Wieder einmal macht der IPCC auf Grundlage der Erkenntnisse von tausenden Wissenschaftler*innen weltweit deutlich, dass sich die Menschheit auf einem zerstörerischen Entwicklungspfad befindet. Die Klimakrise macht arm. Sie macht hungrig. Sie macht krank. Und sie ist in vielen Fällen auch tödlich. Wir sehen das gerade wieder nach dem schrecklichen Zyklon ‚Freddy‘, der Madagaskar, Malawi und Mosambik getroffen hat. Er ist Sinnbild dafür, was unsere Partnerorganisationen im Globalen Süden berichten: Auch wenn sich die Menschen vor Ort - aufbauend auf lokalen Erfahrungen – recht gut mit den neuen Umweltbedingungen arrangieren, sind vielerorts doch die Grenzen der Anpassung erreicht. (…) Es zählt jedes Zehntel Grad vermiedener Temperaturerhöhung.“

Brot für die Welt hebt hervor, dass Bevölkerungsgruppen in vielen gefährdeten Regionen sich nicht mehr an die Folgen der Klimakrise anpassen können – und zwar noch bevor die Erderwärmung um 1,5 Grad und der Anstieg des Meeresspiegels kleine Inseln und tiefliegende Küstengebiete existenziell bedrohen. „Der aktuelle IPCC-Synthesebericht gibt den politischen Entscheidungsträger:innen den Auftrag zum unverzüglichen Handeln, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels abzufedern. Klimaschädliche Emissionen müssen sofort drastisch reduziert werden“, sagt Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt. „Leider befinden wir uns schon mitten in der Klimakrise, einige Auswirkungen des Klimawandels sind bereits unaufhaltsam und die Möglichkeiten zur Anpassung begrenzt. Der Klimawandel wird mehr humanitäre Katastrophen verursachen und soziale Ungerechtigkeiten werden sich verschärfen. Die Auswirkungen sind weitaus schlimmer als der letzte große IPCC-Synthesebericht vor neun Jahren vorhergesagt hat.“

Klaus Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft (IKG) der Evangelischen Kirche von Westfalen, macht Lösungsvorschläge: „Doch wenn wir, und damit meine ich besonders auch Deutschland als starkes Industrieland, heute konsequent auf einen transformativen Pfad Richtung Klimaneutralität setzen, haben wir eine gute Chance, die Klimakrise noch zu bewältigen. In Deutschland müssen vor allem der Verkehrs- und Gebäudesektor nachsitzen. Hier reichen die Emissionsreduktionen bei weitem nicht aus, die Bundesregierung bricht damit letztlich ihr eigenes Klimagesetz. Notwendig wäre für die Erreichung der Ziele stattdessen ein Investitions- und Maßnahmenpaket von mindestens 100 Mrd. Euro, um Klimaschutzmaßnahmen in allen Sektoren umzusetzen und die soziale Sicherheit zu stärken.“

„Es darf kein Zögern mehr geben“, so die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Dr. Simone Peter. „Wenn wir verhindern wollen, dass die Zukunft unseres Planeten verbrannt wird, müssen Erneuerbare Energien jetzt global entfesselt werden.“ Deutschland habe als Industrieland eine besondere Verantwortung. „Mit einem Anteil von knapp zwei Prozent am globalen Treibhausgasausstoß ist Deutschland auf dem traurigen Platz sieben von 194 Ländern. Wir müssen raus aus den Top-Ten der Klimakillerländer und rein in die Klimaneutralität“, so Peter. Die gute Nachricht sei: Der Ausbau von Wind- und Solarenergie in Kombination mit Bioenergie, Wasserkraft und Geothermie sowie mit Grüner Kraft-Wärme-Kopplung, Speichern und Wärmepumpen sei dafür der ideale Technologien-Mix, der heute schon verlässlich und bezahlbar zur Verfügung stehe.

Der WWF fordert die Regierungen auf, die Warnungen und Erkenntnisse des IPCC ernst zu nehmen und die Empfehlungen zu drastischen Emissionsminderungen schnellstens umzusetzen. „Wir wissen, wie wir die Emissionen schnell senken und haben auch die Mittel dazu“, erklärt Viviane Raddatz, Fachbereichsleiterin für Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland. Jetzt kommt es darauf an, politisch Verantwortung für künftige Generationen zu übernehmen. Und auch wenn einige Länder bereits Treibhausgasreduktionen erreichen, mangelt es vielerorts noch immer am politischen Willen oder den nötigen Ressourcen, der Klimakrise entschlossen entgegenzutreten und eine Klimakatastrophe zu verhindern.“

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch weist darauf hin, dass Investitionen in neue fossile Lagerstätten nicht mit dem 1,5 Grad-Limit vereinbar sind. Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch: „Der IPCC warnt vor einem sich rapide schließenden Zeitfenster, eine die Lebensgrundlagen bewahrende Zukunft für alle zu ermöglichen. Die derzeitigen Rekordeinnahmen der Öl- und Gasbranche wollen die Konzerne überwiegend in neue Öl- und Gasfelder investieren. Der Synthesebericht des IPCC unterstreicht hingegen, dass die schon jetzt getätigten und geplanten Investitionen zu einer Überschreitung der Großgefahrenschwelle von 1,5 Grad Erderhitzung führen würden. Verantwortungsbewusste Regierungen sollten alles versuchen, um dies noch abzuwenden.“

Die Klimakrise ist eine massive Bedrohung der Landwirtschaft, hebt Martin Schulz, Bundesvorsitzender der AbL und Bauer in Niedersachsen, hervor: „Sogar jetzt, am Ende des Winters und den eigentlich niederschlagsreichen Monaten, sind die Böden in den tieferen Schichten in vielen Teilen Deutschlands immer noch viel zu trocken. Das durch die Dürren der letzten Jahre fehlende Wasser im Boden konnte nicht aufgefüllt werden. Mit großer Sorge blicken wir Bäuerinnen und Bauern auf die kommende Vegetationsperiode. Wir befürchten einen erneuten Dürresommer mit weiteren verheerenden Auswirkungen für die Landwirtschaft. Schon jetzt ist die Klimakrise auch eine Existenzkrise der Höfe und eine Bedrohung der Lebensmittelproduktion. Der neue IPCC-Bericht zeigt deutlich: Beim Klimaschutz muss dringend an Tempo zugelegt werden.“

Zurück

Julia Riley-Dittmann

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Klima-Allianz Deutschland

julia.riley-dittmann@klima-allianz.de

Telefon: 030/780 899 514